Karriere: Selbständigkeit

 

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Selbständigkeit
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Workinglife-Guard - Das Ratgeber-Magazin für Selbständige und Kleinbetriebe




Selbständigkeit



Ursachen des Selbständigkeitswunsches

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"Machen Sie sich selbständig !"
"Mit Erfolg in die Unabhängigkeit !"
"So werden Sie Ihr eigener Chef !"
"Das Erfolgsgeheimnis der Reichen !"

So oder ähnlich lauten die Titel der Bestseller
aus den Sach- und Ratgeberbuchreihen in den
Regalen für Betriebswirtschaftsliteratur der
Bibliotheken und Buchhandlungen.

Unzählige Publikationen über Selbständigkeit,
Existenz- und Firmengründungen und erfolgreiche
Geschäftsideen wachsen wie Pilze aus dem Boden,
werden vom Markt gierig aufgenommen und vom
Sozialhilfeempfänger bis zum Manager mit großen
Dollarzeichen in den Augen gelesen.

Ob Buchhandel, Banken und Versicherungen,
Arbeitsämter, Wirtschaftsbehörden und Förder-
verbände, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen,
Medien und so weiter - alle stoßen ins gleiche
Horn und propagieren die Selbständigkeit als
vermeintlichen Löser aller Beschäftigungsprobleme.

Hat man es Ihnen nicht auch schon empfohlen
oder haben Sie es bereits in Erwägung gezogen ?

Doch was steckt wirklich hinter dieser Forderung
nach eigenständigem Geschäftssinn und wie groß sind
Ihre Chancen auf den versprochenen Erfolg tatsächlich ?

Zunächst zum Hintergrund:
Die Sehnsucht und der Drang nach Selbständigkeit
wurzelt im Morast aus rücksichtsloser Ausnutzung
des abhängig Beschäftigten, aus Unterdrückung der
individuellen Entfaltungsfreiheit, aus Intrigen
und Mobbing gegen Angestellte, aus Arbeitslosigkeit
und den erfolglosen Versuchen, diese zu überwinden.

Wo einst erlerntes Berufswissen keine gesicherte
Arbeitsgrundlage mehr ist und wo ehrliche und
strebsame Arbeit vor Entlassung nicht mehr schützt,
wo Stellenabbbau und Einstellungsstopps zur Regel
werden, wo Gelegenheitsarbeit und Mittellosigkeit
erzwungen wird und Menschen an soziale und
existentielle Abgründe gedrängt werden, da
erscheint die Selbständigkeit als einzig noch
verbleibende Alternative, wieder Erwerb und
Menschenwürde zu erlangen.



Nutznießer propagierter Selbständigkeit

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Was liegt da näher, als die Selbständigkeit
zu propagieren ? Sie hilft:


    der Wirtschaft, die ganze Geschäftbereiche und
    Abteilungen "outsourcen" (auslagern) und so
    an Infrastruktur, Personal und damit verbundene
    Lohnnebenkosten und Sozialabgaben sparen kann;

    dem Staat, der ehemalige Sozialleistungsempfänger
    mit Gewerbeschein von seiner Arbeitslosenstatistik
    streichen und Wohlfahrtsgelder einsparen kann und
    an der Erschaffung neuer Arbeitsplätze glaubt;

    der Industrie für Telekommunikation und digitale
    Medienwirtschaft, die sich einen konjunkturellen
    Aufschwung durch erhöhten Bedarf erhofft;

    der Weiterbildungs- und Qualifizierungsbranche,
    der die Forderung nach lebenslangem Lernen
    volle Auftragsbücher gerade durch Selbständige
    garantiert;

    den Unternehmen, die den Selbständigen beratend,
    betreuend und fördernd zur Seite stehen.



Ideologie: The American Way

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Und nicht zuletzt den Selbständigen selber, der
dem us-amerikanischen Traum nachhängt und
glaubt, nur mit der richtigen Geschäftsidee,
einem PC, einem Handy, ein paar Geldgeber
(Business-Angels/ Venture-Capitalists) und
ein paar billigen arbeitswütigen Lohnsklaven
schnell zu Ruhm und Reichtum zu gelangen.

Das dieser Traum eine Illusion ist, wird
jeder realistisch Denkende spätestens nach
dem katastrophalen Zusammenbruch der so-
genannten "New Economy" einsehen.



Verblendungspolitik und deren Folgen

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Selbständigkeit bedeutet nicht, wie in dieser
virtuellen Welt des elektronischen Handels
geschehen, vor dem Computer zu sitzen und
Anweisungen per Handy zu geben, um statt mit
Produktivwerten nur mit heißer Luft, falschen
Versprechungen und visionären Erwartungen
an der Börse mit fremdem Kapital zu spekulieren,
kurzfristige Gewinne abzusahnen, um sich damit
ein arbeitsfreies und sorgloses Leben zu sichern.

Ein solch extremes Beispiel einer irregeleiteten
und mental verführten "e-gener@tion" mag sicher
nicht als repräsentativ gelten für all jene, die
mehr oder weniger zur Selbständigkeit genötigt
werden, weil andere Möglichkeiten des Erwerbs
nicht realisierbar sind.

Dennoch fördert diese Verblendungspolitik
bei beiden Arten von Selbständigen Gleiches:

Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft
in freier Selbstbestimmung, um die individuelle
Persönlichkeit zu entfalten und um materiell
unabhängig zu werden.

Diese Hoffnung wird oft vom Irr-Glauben der
Wirtschaft und Politik genährt, dass der Erfolg
in Beruf und Leben ausschließlich von Ihnen
persönlich abhängt und Sie nur einige Regeln
und Gesetzmäßigkeiten beachten müssen.

Vielen erscheint dies wie eine Erlösung aus
ihrem vermeintlich selbstverschuldeten Elend
und wie eine Einladung in eine verheißungsvolle
Zukunft. Der Schritt in die Selbständigkeit
erfolgt daher leider zu oft blindlings und ohne
kritische Überprüfung der Folgen.

Doch wenn es um Ihre berufliche Zukunft geht,
sollten Sie diese nicht leichtfertig aufs Spiel
setzen, indem Sie gutmütig und blauäugig jeder
Schönrednerei und jeder Erfolgsstory glauben.

Die Anleitungen zu einem glücklichen und erfolg-
reichen Leben enthalten meist nur manipulativ
gewählte Fallbeispiele, die aus dem Zusammenhang
gerissen wurden und nicht mit Gegenbeispielen
ergänzt werden, was der Objektivität schadet.

Zudem basieren die Patentrezepte für eine erfolg-
reiche Selbständigkeit auf wirtschaftliche, soziale
und kulturelle Vorausetzungen und Rahmenbeding-
ungen, die nicht immer auf die eigene Situation
übertragbar sind und nicht von Ihnen erschaffen
oder beeinflusst werden können.

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