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Karriere: Selbständigkeit | ||||||||
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So oder ähnlich lauten die Titel der Bestseller aus den Sach- und Ratgeberbuchreihen in den Regalen für Betriebswirtschaftsliteratur der Bibliotheken und Buchhandlungen. Unzählige Publikationen über Selbständigkeit, Existenz- und Firmengründungen und erfolgreiche Geschäftsideen wachsen wie Pilze aus dem Boden, werden vom Markt gierig aufgenommen und vom Sozialhilfeempfänger bis zum Manager mit großen Dollarzeichen in den Augen gelesen. Ob Buchhandel, Banken und Versicherungen, Arbeitsämter, Wirtschaftsbehörden und Förder- verbände, Aus- und Weiterbildungsinstitutionen, Medien und so weiter - alle stoßen ins gleiche Horn und propagieren die Selbständigkeit als vermeintlichen Löser aller Beschäftigungsprobleme. Hat man es Ihnen nicht auch schon empfohlen oder haben Sie es bereits in Erwägung gezogen ? Doch was steckt wirklich hinter dieser Forderung nach eigenständigem Geschäftssinn und wie groß sind Ihre Chancen auf den versprochenen Erfolg tatsächlich ? Zunächst zum Hintergrund: Die Sehnsucht und der Drang nach Selbständigkeit wurzelt im Morast aus rücksichtsloser Ausnutzung des abhängig Beschäftigten, aus Unterdrückung der individuellen Entfaltungsfreiheit, aus Intrigen und Mobbing gegen Angestellte, aus Arbeitslosigkeit und den erfolglosen Versuchen, diese zu überwinden. Wo einst erlerntes Berufswissen keine gesicherte Arbeitsgrundlage mehr ist und wo ehrliche und strebsame Arbeit vor Entlassung nicht mehr schützt, wo Stellenabbbau und Einstellungsstopps zur Regel werden, wo Gelegenheitsarbeit und Mittellosigkeit erzwungen wird und Menschen an soziale und existentielle Abgründe gedrängt werden, da erscheint die Selbständigkeit als einzig noch verbleibende Alternative, wieder Erwerb und Menschenwürde zu erlangen.
Was liegt da näher, als die Selbständigkeit zu propagieren ? Sie hilft: Abteilungen "outsourcen" (auslagern) und so an Infrastruktur, Personal und damit verbundene Lohnnebenkosten und Sozialabgaben sparen kann; mit Gewerbeschein von seiner Arbeitslosenstatistik streichen und Wohlfahrtsgelder einsparen kann und an der Erschaffung neuer Arbeitsplätze glaubt; Medienwirtschaft, die sich einen konjunkturellen Aufschwung durch erhöhten Bedarf erhofft; der die Forderung nach lebenslangem Lernen volle Auftragsbücher gerade durch Selbständige garantiert; betreuend und fördernd zur Seite stehen.
Und nicht zuletzt den Selbständigen selber, der dem us-amerikanischen Traum nachhängt und glaubt, nur mit der richtigen Geschäftsidee, einem PC, einem Handy, ein paar Geldgeber (Business-Angels/ Venture-Capitalists) und ein paar billigen arbeitswütigen Lohnsklaven schnell zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Das dieser Traum eine Illusion ist, wird jeder realistisch Denkende spätestens nach dem katastrophalen Zusammenbruch der so- genannten "New Economy" einsehen.
Selbständigkeit bedeutet nicht, wie in dieser virtuellen Welt des elektronischen Handels geschehen, vor dem Computer zu sitzen und Anweisungen per Handy zu geben, um statt mit Produktivwerten nur mit heißer Luft, falschen Versprechungen und visionären Erwartungen an der Börse mit fremdem Kapital zu spekulieren, kurzfristige Gewinne abzusahnen, um sich damit ein arbeitsfreies und sorgloses Leben zu sichern. Ein solch extremes Beispiel einer irregeleiteten und mental verführten "e-gener@tion" mag sicher nicht als repräsentativ gelten für all jene, die mehr oder weniger zur Selbständigkeit genötigt werden, weil andere Möglichkeiten des Erwerbs nicht realisierbar sind. Dennoch fördert diese Verblendungspolitik bei beiden Arten von Selbständigen Gleiches: Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in freier Selbstbestimmung, um die individuelle Persönlichkeit zu entfalten und um materiell unabhängig zu werden. Diese Hoffnung wird oft vom Irr-Glauben der Wirtschaft und Politik genährt, dass der Erfolg in Beruf und Leben ausschließlich von Ihnen persönlich abhängt und Sie nur einige Regeln und Gesetzmäßigkeiten beachten müssen. Vielen erscheint dies wie eine Erlösung aus ihrem vermeintlich selbstverschuldeten Elend und wie eine Einladung in eine verheißungsvolle Zukunft. Der Schritt in die Selbständigkeit erfolgt daher leider zu oft blindlings und ohne kritische Überprüfung der Folgen. Doch wenn es um Ihre berufliche Zukunft geht, sollten Sie diese nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, indem Sie gutmütig und blauäugig jeder Schönrednerei und jeder Erfolgsstory glauben. Die Anleitungen zu einem glücklichen und erfolg- reichen Leben enthalten meist nur manipulativ gewählte Fallbeispiele, die aus dem Zusammenhang gerissen wurden und nicht mit Gegenbeispielen ergänzt werden, was der Objektivität schadet. Zudem basieren die Patentrezepte für eine erfolg- reiche Selbständigkeit auf wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vorausetzungen und Rahmenbeding- ungen, die nicht immer auf die eigene Situation übertragbar sind und nicht von Ihnen erschaffen oder beeinflusst werden können. |
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