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Karriere: Selbständigkeit 2 | ||||||
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Die freie Marktwirtschaft ist so komplex und selbst für Fachleute und gestandene Kaufmänner oft so unkalkulierbar geworden, dass sichere und seriöse Vorhersagen unmöglich werden. Viel Wissen und Fleiß allein macht noch keinen Geschäftsmann aus Ihnen und eine einzige Idee schon gar nicht. Selbst wenn diese gut durchdacht ist und eine profitable Umsetzung verspricht, so sind und bleiben Sie trotz Gewerbescheins de facto unselbständig, wenn Sie nicht ausreichend Kapital für eine eigene Firma besitzen. Dann nämlich müssen Sie sich in die Abhängigkeit von Banken, Versicherungen oder anderen Geld- gebern begeben, die Ihr "selbständiges" Arbeiten so reglementieren und fremdbestimmen wie in einem Angestellten-Verhältnis. Die meisten Unternehmen befinden sich in dieser Abhängigheit und selbst Gründer und geschäfts- führende Gesellschafter sind nicht wirklich ihre eigenen Chefs, sondern oft nur Spielball der Interessen von Banken, Versicherungen und deren Wirtschaftsspekulanten. Sobald eine von Ihnen ins Leben gerufene Idee oder eine marktkompatible Ware bzw. Dienst- leistung mithilfe der sogenannten "Geschäfts- engel" etabliert wird, gilt das brutale Gesetz des Stärkeren, und Sie müssen Ihr geistiges Eigentum für einen symbolischen Preis abtreten. Sie sind dabei ohne wirtschaftliche Macht und juristischen Schutz. Sie werden wie alle anderen kleinen Fische von den größeren gefressen, die wiederum von den noch größeren vereinnahmt werden. Multinationale Konzerne, Kartelle und andere Wirtschaftsmonopolisten diktieren den Markt und die Politik der Staaten, die zudem noch durch die immer stärker zunehmende Globali- sierung der Märkte an Souveränität verlieren. Sie erkennen hieran, dass noch nicht einmal Großunternehmen und Staaten ihres Glückes Schmied sein können.
Sie als selbständiger Kleinstunternehmer sind im Vergleich dazu ohne nennenswerte Bedeutung und zählen nur als besserer Konsument und billiger Innovationsgeber, der auf Gedeih und Verderb sein Schicksal in fremde Hände legen muß. Um sich im Rahmen Ihrer beschränkten Handels- möglichkeiten mehr schlecht als recht durch- schlagen zu können, bleibt Ihnen daher oft nur die Gründung eines 1-Personen-Unternehmens. Wenn Sie also unverschuldet und unabhängig von Geldgebern mit bereits vorhandenem Kapital in die Selbständigkeit gehen wollen, dann wird Ihr Geschäftsgegenstand zwangsläufig eine Dienst- leistung sein, die Sie größtenteils alleine er- bringen können und bei der kaum Fremdkosten anfallen, die Sie vorfinanzieren müssen. Erfahrungsgemäß sind dies Leistungen, die größtenteils von zu Hause aus erledigt werden können wie: Vermittlung von Waren und Dienstleistungen, Handelsvertretung im Auftrag anderer Firmen, Beratung von Unternehmen sowie das Ausführen von Seminaren, Trainings und Coachings. Wer computertechnisch gut ausgerüstet ist, kann als Firma z.B. multimediales Publishing, kreativ-gestaltenden und werblichen Service sowie web- und informationstechnologie- basierte Leistungen anbieten. Bedingt durch die meist ausschließlich von Ihnen alleine ausgeübten Tätigkeiten, sind Sie in Wirklichkeit nichts anderes als ein Frei- berufler, der in Gestalt einer Firma auftritt.
Die Selbständigkeit birgt große Risiken für Sie, denn: Als selbständig Gewerbetreibender werden Sie wie ein Unternehmen steuerlich veranlagt und nicht wie ein Freiberufler. Das bedeutet: Sie müssen, je nach Vereinbarung, für jedes kommende Quartal, bzw. Halbjahr bzw. Jahr Vorsteuern auf zu erwartende Umsätze entrichten. So besteht die Gefahr, dass Sie Geld an den Staat verlieren, das Sie für die Aufrecht- erhaltung Ihres 1-Personen-Betriebes und zur Finanzierung Ihres Lebensunterhaltes dringend benötigen. Damit werden Sie in Ihren selb- ständigen Unternehmungen noch weiter einge- schränkt und im Wettbewerb mit freiberuflichen Anbietern ähnlicher Leistungen benachteiligt. Sollten Sie dann trotzdem noch zu Aufträgen gekommen sein, schlägt das Finanzamt noch mal richtig mit Gewerbe- und Umsatzsteuern zu, die Ihren Gewinn so stark zusammenschrumpfen lassen, dass Sie unter Umständen nach Abzug aller Werbungs- und Investitionskosten unter dem Strich weniger verdient haben als ein unqualifizierter Angestellter. Bedenken Sie außerdem, dass neben Ihnen auf dem Markt sehr viele Konkurrenten existieren, die - genau wie Sie - in Ermangelung an Kapital und Personal die gleichen Tätigkeiten ausüben müssen mit den gleichen standartisierten Produktions- mitteln ( z.B. digitale Medientechnik), die heutzutage fast jeder Privathaushalt selbst erwerben kann. Selbst das berufliche Know-how hierzu wird immer mehr durch Qualifikationskurse und Bildungsmittel standartisiert und zum Allgemeingut der Anwender, wodurch die angebotene Leistung meist schon über- all praktiziert wird. Und da Großunternehmen und mittelständische Firmen solche Dienstleistungen entweder in ihren eigenen Abteilungen durch Angestellte oder durch feste Vertragspartnerunternehmen ausführen lassen, bleibt Ihnen als Kleinstgewerbetreibender nur die Gewinnung anderer Kleinstgewerbetreibender und Kleinfirmen, die auch wie Sie, ums bloße Überleben kämpfen und meist keine Mittel haben, um Ihre Leistungen zu beanspruchen oder die diese -wie oben dargestellt- bereits selbst praktizieren. Um dieses Problem zu umgehen, versuchen viele Gewerbeschein-Inhaber, statt mit eigenen Leistungen mit bereits fertigen Leistungspaketen oder Waren anderer Firmen ihre Geschäftschancen zu verbessern. Vermittlungs-, Vertriebs-, Verkaufs- und Beratungs- tätigkeiten, sowie selbständige Kundengewinnung im Auftrag anderer Firmen sind hierbei gefragt wie nie. Das sehen wir an den massenhaften Anzeigen in den Zeitungen, die für die eben genannten Tätigkeiten neben- oder hauptberuflich engagierte Selbständige suchen. Von großen expandierenden Unternehmen ist die Rede, sowie von einmaligen und exklusiv paten- tierten Produkten, von Arbeit, die Spaß macht und neben guter Laune nur noch den Willen zum Erfolg braucht und von unbegrenzten Verdienstmöglichkeiten. Warum - so stellt sich zwangsläufig die Frage - machen diese Firmen nicht selbst das große Geschäft, das sie anderen versprechen und anbieten ? Weil diese Firmen das große Geschäft nur deshalb machen können, indem sie fast alle unternehmerischen Risiken und Aufwendungen auf die leichtgläubigen und meist marktwirtschaftlich unerfahrenen Selbständigen abwälzen und auf deren Kosten Profite machen. Und das funktioniert so: Die einer Gesellschaft gehörenden Produkte sollen verkauft werden, ohne das nennenswerte Kosten für Werbung, Vertrieb und Personal entstehen, die ja den Preis eines Produktes so enorm in die Höhe treiben. Der angeheuerte Selbständige soll auf eigene Kosten für das Produkt werben und es bekannt- machen. Gelingt es ihm darauf, nach zahlreichen Verkaufsgesprächen die Ware zu veräußern, erhält er dafür eine Provision. Gelingt es ihm nicht, hat er auch weder Anspruch auf Erstattung seiner Aufwendungen noch auf die Vergütung seiner Verkaufsbemühungen. Das die Ware besitzende Unternehmen ist so in jedem Fall der Gewinner, denn Provision wird nur im Verkaufsfall ausgeschüttet und wenn nichts verkauft wird, entstehen aber auch keine Kosten und Risiken. Dem nur aufs Verkaufen konditionierte Gewerbeschein- besitzer wird dabei gebetsmühlenartig eingebleut, dass der Markt für alle Produkte unbegrenzt aufnahme- fähig sei und die Wirtschaft grenzenlos wachsen könne. Wenn ein Produkt also nicht verkauft wird - so die scheinlogische Schlußfolgerung der Kapitalbesitzer und ihrer folgsamen Handlanger - läge das einzig und allein am Versagen des Verkäufers. Wie gerufen scheinen da die zu Beginn dieses Kapitels erwähnten Ratgeberbücher zu kommen, die zeigen wollen, wie man mit der richtigen Verkaufstechnik in kürzester Zeit zum "Power Seller" wird und vom Tellerwäscher zum Millionär. Wie verkaufsstrategisch dabei vorgegangen wird, ist den "Traumjob"-Anbietern in der Regel egal. Hauptsache, es wird verkauft - ob mit oder ohne ethische Skrupel. Wie leicht kann es Ihnen da passieren, dass Ihnen von anderen Verkäufern der gleichen Firma das Wasser abgegraben wird, indem Sie hintergangen werden. Selbst Zusagen wie Gebiets- und Kunden- schutz können durch anderweitige Vertriebswege leicht umgangen werden und wenn Mitbewerber dann noch Schmiergelder einsetzen und Bezieh- ungen nutzen, ziehen Sie schnell den kürzeren. Wie oft haben unzählige und sich selbständig wähnende Verkäufer erfahren müssen, dass sich die einst erfolgversprechenden Zukunftsaus- sichten schnell relativieren. Wenn Sie z.B. ausschließlich auf Provisionsbasis arbeiten sollen und die Zielvorgaben so hochgesteckt und vielfältig sind, dass Sie selbst bei intensivsten Verkaufsbemühungen nie das Soll erreichen können. Somit erhalten Sie keinen Anspruch auf Provision, während Ihre Auftraggeber die von Ihnen ge- wonnenen Kunden übernehmen und die Verkaufs- gewinne mit der eigentlich Ihnen zustehenden Provision selbst einbehalten. Gerne wählen die "Traumjob"-Anbieter auch die Masche mit dem leistungsabhängigen "Festgehalt". Dabei handelt es sich um eine Minimalvergütung Ihrer Leistung, die zwar festgelegt, aber immer wieder nach unten korrigiert werden kann, wenn Sie das Umsatzsoll nicht erreicht haben. Eine andere Möglichkeit, Ihnen Provisionen vorzu- enthalten besteht darin, einen Vertrag mit Ihnen abzuschliessen, der Ihnen Kundenschutz zusichert und Sie dazu verpflichtet, gewonnene Kunden an die Adresse Ihres Auftraggebers weiterzuleiten. Provisionen sollen dann nach Zahlungseingang des Kunden ausgeschüttet werden. Zwar werden Sie auch Provisionen erhalten, aber wieviele Kunden tatsächlich bestellt und die Rechnung bezahlt haben, werden Sie sich nie nach- weisen lassen können, da Ihnen Akten- und Buch- haltungseinsicht verwehrt wird. So ist die Verlockung für den Auftraggeber sehr groß, Ihnen glauben zu machen, es hätten weit weniger Kunden bestellt und bezahlt als von Ihnen angegeben. Die Regelung, dass Provisionen meist erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten ausgezahlt werden, hat noch zwei weitere Vorteile für Ihren Auftraggeber: Erstens können die vom Kunden überwiesenen Gelder länger auf der Bank Ihres Auftraggebers liegen und für diesen noch Zinsen einbringen (während Sie von Ihrem Ersparten leben müssen bzw. unter Umständen in Zahlungsverzug geraten können bei der Finanzierung Ihres Lebensunterhaltes und noch belastende Zinsen ertragen müssen). Zweitens kann Ihr Auftraggeber bei Ihrem Ausscheiden aus dem Auftragsverhältnis die danach eingehenden und Ihnen zustehenden Provisionen selbst einbehalten. Dies sind nur einige wenige Beispiele für die zahl- reichen Möglichkeiten, Ihre schwache Position als einkommensabhängiger und rechtlich ungeschützter Selbständiger auszunutzen. Ohne genügend Eigenkapital und profunde Branchen- und Marktkenntnisse sollten Sie sich daher nie auf das ungezügelt tobende Meer der Selbständigkeit hinauswagen, denn die Gefahr ist groß, Schiffbruch zu erleiden und den hinterlistigen und skrupellosen Haien der freien Marktwirtschaft zum Opfer zu fallen. Einmal zum Opfer geworden, werden Sie bei Mittel- losigkeit und ohne juristischen Beistand schnell zum Täter, wenn Sie Ihre verletzten Rechte und Ansprüche einfordern. Spätestens dann werden Sie erkennen, dass Recht haben und Recht bekommen nicht gleichzusetzen sind in einem Rechtsstaat, der de facto nur den wirt- schaftlich Stärkeren begünstigt und schützt. Bedenken Sie, dass die Politik von den Mächten der Wirtschaft diktiert wird und sich in deren Rahmen- bedingungen fügt. Schutz und Förderung der wirt- schaftlichen Interessen beziehen sich daher nur auf die Großindustrie und bestenfalls noch auf den Mittelstand, der Betriebe bezeichnet mit mindestens 100 Angestellten und einem Mindestumsatz von 10 Millionen DM. Kleinständische Betriebe oder gar Selbständige bzw. Freiberufler dienen dabei nur als leicht ausnutzbare und billige bis kostenlose Zulieferer von Innovationen und kreativen Leistungen, deren eigenständige Er- bringung der mittel- und großständischen Wirtschaft zu kostspielig ist und daher systematisch unterdrückt wird. So wird für die Selbständigkeit geworben und ins- besondere den oft begeisterungsfähigen (weil un- kritischen) jugendlichen Glücksrittern sowie den durch die wachsende Arbeitslosigkeit Frustrierten eine rosige Zukunft amerikanisch vorgeträumt. Der Mißbrauch für obige Vorteile (siehe dort) für Staat und Wirtschaftsmächte ist vorprogrammiert. Im Zuge der immer stärker werdenden Liberalisierung der freien Marktwirtschaft und dem Abbau staatlicher Kontroll- und Steuerungsmechanismen sind die klein- ständischen Betriebe, Selbständige bzw. Freiberufler und erst recht die abhängig Beschäftigten der Will- kür des menschenverachtenden Turbo-Kapitalismus ausgeliefert. "Arbeitsverhältnisse: ausnutzende oder dubiose Fälle" im neuen MLG-Forum. Hier klicken. "Arbeitsvergütung: trotz Arbeit existenzgefährdet..." im neuen MLG-Forum. Hier klicken.
Sollten Sie sich daraufhin wieder einer bodenständigen und abgesicherten Angestelltentätigkeit zuwenden wollen, werden Sie bei einer Bewerbung um einen Arbeitsplatz nur schlechte Karten haben, wenn Sie außer Ihren Versuchen zur selbständigen Erwerbs- arbeit keine arbeitsstellenbezogene Praxis-Erfahrung mit Referenzen vorweisen können. Erhalten Sie keine Zusage, sind Sie entweder genötigt, sich in Selbständigkeit durchzuschlagen oder sich Gelegenheitsarbeiten zu suchen, die Ihnen nur ein unabgesichertes Leben von der Hand in den Mund ermöglichen. Um für den Fall der Erwerbslosigkeit wenigstens nicht unter dem Existenzminimum zu fallen, müssen Sie Ihren Gewerbeschein abmelden und eine mehr oder minder qualifizierte Gelegenheitsarbeit im Angestelltenverhältnis annehmen. Nach einer für den Arbeitgeber sozialabgabepflichtigen Beschäftigtenzeit von 15 Monaten haben Sie sich einen Anspruch auf staatliche Sozialleistungen erworben. Je länger Sie auf diese Weise Ihrem Erwerb nach- gehen, desto weniger können Sie berufsrelevante Erfahrungen sammeln und werden dabei immer älter und damit immer unattraktiver für den Arbeitsmarkt. Sie erkennen: Selbständig machen sollten Sie sich erst dann, wenn Sie genügend Eigenkapital zur Verfügung haben und sehr gründliche Berufserfahrungen mit Referenzen vorweisen können, die Sie im Falle eines möglichen Scheiterns Ihres Vorhabens für den Wiedereinstieg in ein Angestellten-Verhältnis unbedingt benötigen. Zudem sollten Sie Branchen- und Marktentwicklungen souverän erkennen und kalkulieren können, um das unternehmerische Risiko so gering wie möglich zu halten. Sichern Sie sich durch mehrere wirtschaftliche Standbeine ab und machen Sie sich weitestgehend unabhängig von Modeströmungen und Technologie- entwicklungen. Stellen Sie stattdessen mehr Ihr persönliches Wissen und Ihre individuellen Stärken in das Zentrum Ihrer unternehmerischen Aktivitäten. Versuchen Sie, sich Verbänden und Organisationen anzuschliessen, die auch die Interessen der selb- ständig Gewerbetreibenden und Kleinstunternehmer Ihres Berufsstandes vertritt, fördert und schützt. Überlegen Sie sich den Schritt in die Selbständig- keit sehr gründlich. Ihr Glück können Sie nur dort schmieden, wo etwas zu schmieden ist und wo Sie stark und mächtig genug sind, alleine das heiße Eisen der Wirtschaft zu formen. Ansonsten haben Sie all Ihre Arbeitszeit und Ihr Geld vergebens investiert und das einzige, was Sie unter Gewinn verbuchen können, ist "Erfahrung". |
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