Karriere: Bewerbung 2

 

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Bewerbung
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Bewerbung



Bewerben über Chiffre-Anzeigen

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Chiffre-Anzeigen werden von all jenen in Zeitungen
geschaltet, die keine offensiven Bewerbungsstrategien verfolgen und wegen Zeitmangels oder Unkenntnis der
geeigneten Unternehmen nicht recherchieren wollen.

In dieser Form der Bewerbung umreissen Sie nur kurz
und telegrammstilartig Ihr Qualifikationsprofil und
machen Angaben über die gewünschte Arbeitsstelle.

Vorteil:
Sie können mit den vergleichsweise geringen
Kosten einer chiffrierten Bewerbungsanzeige mehr
potentielle Arbeitgeber erreichen als mit gleichen
Kosten möglich wäre, wollten Sie sich persönlich
mit kompletten Bewerbungsunterlagen vorstellen.

Neben dem äußerst günstigen Kontaktpreis pro Arbeit-
geber können Sie Glück haben, dass eine Firma gerade
ohne Ausschreibungen eine Arbeitskraft wie Sie sucht
und sich bei Ihnen meldet. Damit wären Sie in der
besonderen Situation, neben eventuell betriebsinternen
Kandidaten kaum Mitbewerber zu haben.

Nachteil:
Ihre Selbst-Präsentation kann nicht so gegenwärtig,
individuell beeindruckend und überzeugend sein wie
eine klassische Bewerbung. Zudem werden Stellenge-
suche wegen Zeitdrucks oft nur überflogen und Ihre
Anzeige wird entweder nicht bemerkt oder es besteht
das Risiko, dass ihre Anzeige zwar ausgeschnittenen
wird, aber zwischen all den Papierbergen in der
Versenkung verschwindet. Ein gezieltes Nachfassen
und Steuern von Entscheidungen ist nicht möglich.

Erfahrungsgemäß werden Sie auf Ihre Chiffre-
Anzeige überwiegend Angebote erhalten, die
nichts mit Ihrem Anliegen zu tun haben.

Z.B. Werbung für Produkte und Dienstleistungen,
die für Sie beruflich interessant sein könnten.

Oder: Angebote von Self-made-"Selbständigen",
die Ihnen raten werden, sich endlich selbständig zu
machen, damit Sie schnell berühmt und reich werden.
Es geht meistens um MLM (Multi-Level-Marketing)-
Vertriebs-Tätigkeiten, bei denen Sie als neuer
Käufer von Produkten gewonnen werden sollen, um
diese an Endverbraucher oder wiederum an weitere
Unterhändler zu verkaufen. Dabei profitieren aber
nur die an der Spitze der Verkaufspyramide stehenden
Geschäftsgründer bzw. Initiatoren, während die Be-
lastungen an Arbeit, Zeit und Geld an die jeweils
eine Stufe/Ebene (Level) niedriger Stehenden abge-
wälzt und der Verkaufsaufwand immer unrentabler
wird, je tiefer Sie in der Hierarchie positioniert sind.

Oder: Briefe von Finanzdienstleistern, in denen Ihnen
entweder Versicherungen, Geld-Anlagen usw. angeboten
werden (da Sie nach dieser Anzeige ja wahrschein-
lich durch Arbeit wieder zu Einnahmen kommen)
oder in denen man Ihnen eine glänzende Berufskarriere
in Aussicht stellt. Im zweiten Fall wird man Sie bei
Interesse Ihrerseits zu einem Vorstellungsgespräch
bitten. In dessen Verlauf werden Sie merken, dass Ihre
berufliche Zukunft darin bestehen soll, als ständig
mobiler und flexibler Außendienstmitarbeiter (auch
Vertreter genannt) Kunden zu akquirieren und diesen
die obigen Finanzprodukte zu verkaufen.
Auch wenn Ihr Beruf nichts mit dieser Branche zu tun
hat und Sie kein Wort hieraus in Ihrer Chiffre-
Anzeige erwähnt haben, werden Sie mit größter Wahr-
scheinlichkeit einen solchen Brief erhalten.

Auch andere Post werden Sie vorfinden:
Neben Kettenbriefen werden auch leider die sogenannten
Info-Service-Angebote immer beliebter, die gedruckte
bzw. mündliche Informationen zu einem Thema anbieten,
die nur über Faxabruf bzw. Telefonanruf über die sehr
teuren "Service"-Nummern (0190- 85....) verfügbar sind.


Die Themen sollen sich angeblich befassen mit:
    erfolgreicher Bewerbung und beruflichen Karrieren
    lukrativen Geschäfts-Ideen zum Selbständigmachen
    Insider-Tipps zur: Existenzgründung, Einrichtung
    von Briefkastenfirmen und ausländischen Anonym-
    konten in Steueroasen, Erlangung von Krediten ohne
    SchuFa-Einschaltung, Schnäppchenjägerei usw.
Dabei wird durch Umleitungen, Schleifenschaltungen und
anderen Verzögerungstaktiken die Verbindung so lange
wie irgend möglich aufrechterhalten, wobei die Minute
mit 3,63 DM berechnet wird. Die meisten Informationen
sind allgemeinplätzig und vermitteln nur ein Wissen, das
sich jeder selbst ohne Kosten aneignen kann.

Mitunter sind auch Anleitungen dabei, die Anlaß zur
Vermutung geben, dass Erwerbslose und existenziell
Gefährdete sich wirtschaftliche Leistungen und Güter
in dubioser Weise unter Ausnutzung rechtlicher Grau-
zonen aneignen sollen.




Bewerben auf Eigeninitiative

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Initiativ- oder Blindbewerbungen werden ohne
Stellenausschreibung durchgeführt, wobei meist nur
Name und Anschrift des Unternehmens bekannt sind.

Damit Ihre Bewerbung in die richtigen Hände kommt,
müssen Sie den personalverantwortlichen Ansprech-
partner telefonisch erfragen oder per Internet
recherchieren. Neben dem Anschreiben sind nur
Lebenslauf und Qualifikationsprofil notwendig, aber
keine Zeugnisse und Referenzen.

Vorteil:
Diese auf "gut Glück" bzw. aufgrund von Insider-
Tipps versendeten Bewerbungen signalisieren Ihre
Aktivität und Ihre Bereitschaft, Aufgaben und Ent-
scheidungen selbstbewußt und selbständig zu meistern.

Außerdem können Sie - wie bei Chiffre-Anzeigen -
das Glück haben, bei einer firmeninternen Stellen-
ausschreibung mit berücksichtigt zu werden.
Vakante oder neu-geplante Stellen werden nämlich
nicht immer öffentlich gemacht und unter der Hand
an Mitarbeitern oder deren Bekannten oder Ver-
wandten vergeben. Bei überdurchschnittlichem
Qualifikationsprofil bestehen Chancen, sich
gegenüber bevorzugten, aber weniger qualifi-
zierten Mitbewerbern durchzusetzen.

Nachteil:
Die Chance, dass zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung
eine Ihrem Qualifikationsprofil entsprechende
Arbeitsstelle besetzt werden muß, ist äußerst
gering und daher vergleichbar mit der sprich-
wörtlichen Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.

Selbst, wenn Sie eine entsprechende Stelle ge-
funden haben sollten, werden erfahrungsgemäß
diejenigen Bewerber vorgezogen, die schon lange
Anwärter für diesen Posten sind oder sich schon
lange vorher durch Beziehungen den Zuschlag
gesichert haben.

Demzufolge müssen Sie leider davon ausgehen,
dass fast alle Initiativbewerbungen mit negativem
Bescheid an Sie zurückgehen werden. Bestenfalls
wird man Ihnen für das entgegengebrachte Inter-
esse danken und Ihnen in Aussicht stellen, ge-
gebenenfalls bei Bedarf auf Sie zurückzukommen.
Dass die Firma von sich aus Ihnen rechtzeitig
einen Bedarf melden wird, ist aller Erfahrung nach
eher unwahrscheinlich und nicht zu erwarten.

Das ergibt sich allein schon aus dem Postulat,
dass jeder für sich selbst verantwortlich sei
und selbständig handeln müsse. Logische Schluß-
folgerung: Sie müssen selbst immer wieder an-
rufen und nach beruflichen Einsatzmöglichkeiten
fragen.

Gutgläubig dem popularistischen Stammtischspruch
der Politiker "Wer Arbeit sucht, findet sie auch !"
folgend, erkundigen Sie sich also telefonisch nach
Arbeitsstellen. Was Sie hierbei zu hören bekommen,
ist meist nur für Hartgesottene oder Liebhaber von
Realsatiren erträglich.

In einer Zeit, in der alles und jeder zur Ware
(de-)generiert und dem gnadenlosen Kommerz
unterworfen wird, werden auch Sie als Arbeits-
suchender oft wie ein lästiger Handelsvertreter
in eigener Sache behandelt.

So, als wollten Sie Staubsauger oder Zeitschriften-
Abonnements verkaufen, wird man Sie genervt zu-
rückweisen mit Worten wie:

"Danke, keinen Bedarf !",
"Wir haben alles was wir brauchen !"

Auf die Frage nach dem Personalentscheider können
Sie von den Damen und Herren der Telefon-Zentrale
folgende Antworten bekommen:


    "Wir geben am Telefon keine Auskunft,
    bitte reichen Sie Ihr Anliegen schriftlich ein,
    wir leiten es dann weiter und werden uns
    bei Bedarf melden !"

    Bedeutet: "Wagen Sie es nicht noch einmal,
    hier anzurufen und uns mit Angeboten zu belästigen !"

    "Einen Augenblick bitte, ich frage mal nach..."
    Nach Warteschleifenmusik bzw. Stille:
    "Hören Sie - wir decken unseren Personal-
    bedarf durch gezielte Ausschreibungen !"

    Bedeutet: "Sie können doch nicht einfach
    nach Arbeit fragen, ohne dass wir Sie darum
    gebeten haben !"


Sollte es Ihnen aber dennoch gelingen, mit dem
Personalentscheider persönlich zu sprechen, um
herauszufinden, ob eine Bewerbung sinnvoll ist,
werden Sie oft zu hören bekommen, dass er gerne
(großmütig und gnadenhaft gesprochen) bereit sei,
Ihre Bewerbung einzusehen, dass er Ihnen aber
(bedauernd und mitleidig gesprochen) leider keine
große Hoffnung machen könne, weil:

    die Wirtschaftslage sehr gespannt sei
    das Personalbudget gekürzt worden sei
    die Firma nur besonders spezialisierte
    und erfahrene Bewerber bräuchte
    Rationalisierungsmaßnahmen ein
    Stellenabbau notwendig machen würden
    Einstellungsstopps beschlossen worden seien
    aktuelle Umstrukturierungen Aussagen über
    Personaldispositionen nicht ermöglichen würden

Das alles können Sie als Antwort erhalten, noch
bevor Sie sich überhaupt allgemein vorgestellt
und Ihr Qualifikations-Profil vorgetragen haben.

Spätestens dann erkennen auch Sie, dass selbst
qualifizierte Ausbildungen und viel Arbeitswille
und beruflicher Eifer nicht automatisch zum er-
hofften Erfolg führen.

Insbesondere die kommerziellen Ausbildungs-
Institute und all die zahlreichen Bücher für
"erfolgreiche Karrieren", "erfolgreiche Berufs-
zukunft", "Erfolg durch Weiterbildung" etc.
wollen durch den ständigen und gebetsmühlen-
artigen Gebrauch des Wortes "Erfolg" mit all
seinen Abwandlungen suggerieren, dass sich
der Erfolg garantiert einstellt, wenn Sie die
Lehrgänge/Seminare buchen bzw. die Rat-
schläge und Checklisten/Anweisungen befolgen.

Da die Werbung mit dem Wort "Erfolg" einen
Absolutheitsanspruch erhebt und diese Erfolgs-
Garantie aber ein Versprechen ist, dass absolut
nie eingehalten werden kann, müßte eine solche
Werbung als unlauterer Wettbewerb und arg-
listige Täuschung verboten werden.






Bewerben auf Stellenangebote

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Nachdem Sie eigeninitiativ bei Firmen ohne Stellen-
ausschreibung nach Arbeit gesucht und nur abschlägige
Antworten erhalten haben, kommt Ihnen dann nicht oft
das Gefühl, wie ein räudig streunender Hund oder ein
bettelnder Obdachloser angewidert abgewiesen worden
zu sein ?

In den Medien werden Sie dann erleben, wie macht-
hungrige Politiker aus dieser Situation Kapital
schlagen, um auf Ihre Kosten Wahlkampf zu betreiben.

Selbst als qualifizierter und eifriger Arbeitssuchender
sind Sie den Diffamierungskampagnen vieler Politiker
ausgeliefert, in denen diese behaupten, Sie seien eines
dieser arbeitsscheuen Subjekte, die faul in der sozialen
Hängematte des "kollektiven Freizeitparks" lägen.

Mittlerweile wird sogar von Verfechtern dieser Be-
hauptung angedacht, Erwerbslosen jegliche staatliche
Unterstützung zu entziehen.

Im nächsten Gedankenschritt käme demzufolge die
Beraubung menschlicher Rechte, um Sie als Arbeits-
loser in ein Arbeitslager unterbringen und als Sklave
ausbeuten und demütigen zu können.

Durch unser nach us-amerikanischem Schreckens-
vorbild aufgebaute Wirtschaftssystem der zügel-
losen Liberalisierung nach angeblich christlicher
Sozialordnung, wird Arbeitslosigkeit zum Stigma.

Die im Auftrag des Staates für Arbeitsmarkt und
Wirtschaftsförderung Tätigen werden nicht müde,
Arbeitslosigkeit als "normales" und im Leben eines
Berufstätigen mehrmals periodisch auftretendes
Phänomen der freien Marktwirtschaft darzustellen,
für das man keine Schuldgefühle entwickeln muß.

Doch leider werden Arbeitssuchende in der Praxis
Ihres beruflichen Lebensweges ständig vom Gegen-
teil überzeugt.

Zum Beispiel dann, wenn Sie es vorziehen, sich
nur noch bei den Firmen zu bewerben, die per
Stellenausschreibung Arbeitskräfte suchen.

Zunächst wenden Sie sich den Stellenangeboten
zu, noch in der Hoffnung, dass Sie diesmal mit
Interesse und einem Mindestmaß an menschlicher
Würdigung behandelt werden.

Vorteil:
Sie können aus einer Vielzahl von Stellenangeboten
die für Sie in Frage kommenden wählen und davon
ausgehen, dass Ihre Bewerbung erwünscht ist.

Zudem erhalten Sie meist alle wichtigen
Informationen zur ausgeschriebenen Arbeitsstelle,
zum Unternehmen und verantwortlichen Ansprech-
partner, um sich maßgeschneidert zu bewerben.

Nachteil:
Da viele Ihrer arbeitslosen Berufskollegen - ebenso
wie Sie - diese Stellenangebote lesen und sich da-
rauf bewerben, müssen Sie sich gegen eine gewaltige
Konkurrenz durchsetzen.

Bedenken Sie, dass Ausschreibungen nur dann in
einem Printmedium der Presse oder in einer Online-
Jobbörse im Internet in Form von Stellenangeboten
veröffentlicht werden, wenn die Anforderungsprofile
sehr komplex und speziell sind und die Firma des-
wegen weder in ihren eigenen Personalkreisen noch
über das Arbeitsamt oder andere Personalvermittler
eine geeignete Arbeitskraft gefunden hat.

Das bedeutet, dass Sie zudem noch extrem hohe
qualitative Hürden überwinden müssen, was Sie
an den immer länger werdenden Qualifikations-
und Kompetenz-Listen
erkennen können.

Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten reicht es
heute nicht mehr aus, nur einen Beruf zu erlernen
und ihn lebenslang auszuüben.

Stattdessen wird neben einer sehr großen Allgemein-
bildung meist eine Sammlung mehrerer Berufsquali-
fikationen erwartet, die miteinander kombinierbar
sind und ständig durch Weiterbildungsmaßnahmen
ergänzt werden sollen.

Ferner wird oft vorausgesetzt, dass Sie sich viel
Praxiswissen und soziale Kompetenz in jahrelanger
Berufserfahrung
erworben haben.








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