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Karriere: Arbeit als Angestellter 2 | ||||||||||
Wo Formalitäten und Konventionen durch Flexi- bilität ersetzt wurden, können sehr kurzfristig Teams projektorientiert zusammengestellt werden. Das hat gewiß den Vorteil, dass Ihre Arbeit abwechslungsreich wird und Sie die Möglich- keit haben, viele unterschiedliche Mitarbeiter Ihres Unternehmens kennenzulernen. Doch so schnell sich Teams aufbauen lassen, so schnell können sie sich wieder auflösen und an anderer Stelle neu formieren, was zu Komplikationen führen kann: Nehmen bei "unflexibler" Arbeitsweise alle gleichermaßen an einer zentralen Besprechung teil, so finden bei flexiblen Firmen meist mehrere Besprechungen in Untergruppen an diversen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten statt. Durch diese ständige Dynamik dezentraler Arbeitsabläufe wird der Informationsfluß stark gebrochen. Wichtige Arbeits-Informationen, Anweisungen, Beschlüsse etc. gelangen somit oft nur unvollständig oder sehr diffus an die Empfänger. Verständnis-Rückfragen, Einwände oder Anregungen können dabei nur selten berücksichtigt werden. Auch wenn ein Projektleiter vorhanden ist - so zeigt es die Erfahrung - ist nicht immer sichergestellt, dass jeder jede Information auch tatsächlich erhält. Vielmehr wird erwartet, dass sich jeder Mitarbeiter selbst um die für ihn notwendigen Informationen bemüht. Benachrichtigungen über aktuelle Besprechungs- ergebnisse, Änderungen und Info-Updates werden heute größtenteils per E-mail an die Mitarbeiter versendet. Wer in der Hektik und dem Stress der Projekt- abwicklung eine Nachricht versäumt oder für die eigene Arbeit wichtige Ansprechpartner nicht immer erreichen kann, hat schnell eine Informationslücke, die zu Abstimmungs- und Koordinationsfehlern führen kann, die ihm angelastet werden.
In Sachen flexibler Arbeitszeitgestaltung, bei der kein Arbeiten nach Stechuhr und Leistungs- vorschriften notwendig sein soll, gilt aber statt- dessen das Prinzip der Ergebnisorientiertheit. Das bedeutet, das jedem Arbeitnehmer die schein- bare Freiheit gegeben wird, seine Zeit selbst ein- zuteilen, wobei es "nur" darauf ankommt, dass die zu erbringende Leistung zu einem bestimmten Termin fertig sein muß. Da aber in der Regel das Auftragsvolumen sehr groß und der Termindruck oft unerträglich hoch ist, sind Überstunden bis spät in die Nacht und oft übers Wochenende keine Seltenheit und werden auch nicht mehr als solche bezahlt. Arbeitszeit und Freizeit verschmelzen dabei und erfordern eine Neuorganisation des Lebens und der Arbeit mit Kollegen, die nun auch außerhalb der sonst üblichen Arbeitszeiten für eine eventuelle Zusammenarbeit erreichbar sein müssen. Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ermöglicht es, tagsüber Dinge zu erledigen, die ansonsten nicht machbar wären oder bestenfalls nur in den Feierabendstunden (wie z.B. Einkäufe, Besorgungen, Behördengänge, Teilnahme an Veranstaltungen etc.). Doch das fordert auch seinen Preis: Da die ständige Einsatzbereitschaft mittel- und langfristige Planungen verhindert, können Sie nur noch kurzfristig und spontan über Ihr Privat- und Berufsleben disponieren. Ihr Tagesablauf im speziellen und Ihr Lebens- und Arbeitsrhythmus im allgemeinen können dabei leicht außer Kontrolle und ins Chaos geraten. Solche ungeregelten und nicht mehr berechenbaren Lebensverhältnisse begünstigen unter Umständen die Entstehung einer ebenso unausgeglichenen psychischen Verfassung und entsprechender Verhaltensweisen, die das Verhältnis zu Ihrer sozialen Umwelt belasten. Durch ungeregelte Lebensbedingungen können Sie auch in Konflikte mit Ihren privaten und beruflichen Zielsetzungen kommen. Denn: Um gesteckte Ziele erreichen zu können, müssen Sie die Mittel und Methoden Schritt für Schritt kontinuierlich planen und koordinieren, was jedoch bei flexiblen Arbeitszeiten meist unmöglich ist. Wie sollen Sie sich unter diesen Umständen z.B. beruflich weiterbilden können, wenn die Weiter- bildungsinstitute nur nach festem und geregeltem Zeit- und Lehrplänen unterrichten ? Auch auf privater Ebene erschweren flexible Arbeitszeitregelungen das Erreichen Ihres Ziels, harmonisch mit Ihrem sozialen Umfeld zu leben. Immer mehr zwischenmenschliche Beziehungen werden durch den Mangel an gemeinsamer Freizeit gefährdet. Wieviele Ehen, Lebenspartnerschaften und Freundschaften sind gerade unter Berufstätigen deswegen zerbrochen bzw. erst gar nicht zustande gekommen ! Die "freie" Arbeitszeitgestaltung erlaubt dem Angestellten nämlich selten ein eigenmächtiges Verfügen über seine Freizeit. Vielmehr ist er abhängig von der Auftragslage seines Arbeit- gebers und den angemeldeten Arbeitszeiten all seiner Kollegen, mit denen er sich abstimmen muß. Der in solcher Weise fremdbestimmte Personal- einsatz-Plan läßt also für die eigene Zeitdispo- sition nur sehr bedingt einen Spielraum. Dieser wird noch zusätzlich dadurch eingeengt, dass jeder Angestellte bereit sein muß, in seiner Freizeit einzuspringen, wenn ein unvorhergesehen erhöhter Arbeitskräftebedarf oder ein unerwartet auftretender Ausfall von eingeplantem Personal eintritt. Dadurch wird es besonders schwer, den eigenen Zeitplan mit den Zeitplänen all jener zu syn- chronisieren, mit denen Sie in sozialem Kontakt bzw. in persönlicher Beziehung stehen. Das Knüpfen und Pflegen von Kontakten wird auch im Berufsalltag durch die flexiblen Arbeits- zeiten immer seltener möglich. Kurz-, Gleit- und Schichtarbeit verhindern ein Aufkommen eines Gefühls kollegialer Verbindlichkeit.
Erst recht dann, wenn die Personal-Fluktuation überdurchschnittlich hoch ist, wie in Betrieben des Dienstleistungssektors mit einer hohen Anzahl minderqualifizierter und gelegenheitsarbeitender Angestellter. Solche Unternehmen haben Sie bereits im Kapitel über "Existenzbezogene Jobs" kennengelernt. Der Geschäftsgegenstand liegt in der Regel im Erbringen folgender Leistungen: Pizza-Lieferservice, Kurierdienste, Taxi-Fahrdienste, Service in Fastfood-Restaurants und in Gastronomie, Promotion- & Sales-Service, Callcenter-Service, Ordnungs-, Aufräum- und Reinigungsdienste, sowie viele andere Dienstleistungen, die sehr viel mensch- liche Arbeitskraft (Manpower) erfordern, aber keine oder nur sehr geringe Qualifikationen.
Aus diesem Grunde sind Unternehmen obiger Branchen Auffangbecken für Arbeitsuchende aller Art und haben daher eine sehr heterogene Personalstruktur:
Diese Auflistung zeigt: Sind Firmen mit qualifizierten Arbeitsplätzen - wie weiter oben beschrieben - in ihrer Belegschaft über- wiegend homogen, so haben diese Dienstleistungs- Firmen mit un- bzw. minderqualifizierten Arbeits- plätzen eine sehr unterschiedliche Personalstruktur (in Bezug auf Alter, sozialer Herkunft, Vorbildung, Wertesysteme, Berufserfahrung, Lebensverhältnisse und Motiv/Anlaß der Arbeitsaufnahme). Diese Heterogenität verhindert im Verbund mit flexiblen Arbeitszeiten und einer in solchen Firmen hohen Fluktuaktionsrate einen alles verbindenden und kollegialen Teamgeist. Gründe für die hohe Fluktuation (Verhältnis aus Zu- und Abgängen des Personals): Für die Zugänge: Für die Abgänge:
Der Hauptgrund für die fehlende Identifikation mit Arbeit und Kollegen liegt daher nicht in der Unlust und Trägheit der Mitarbeiter, wie die Arbeit- geber der "Job"-Firmen und auch viele Politiker behaupten, sondern vielmehr im provisorischen Wesen dieser Erwerbstätigkeit. Denn jeder, der solche geringfügigen Arbeiten annimmt, sieht sich dazu nur aus wirtschaftlichen Sachzwängen genötigt und leistet seine Arbeit im Bewußtsein, dass diese nur solange andauert, bis etwas Besseres (d.h. etwas dem eigenen Wissen und Können Entsprechende) gefunden ist. So ist die aus der Not geborene Arbeit automatisch immer mit einer auf das Minimum beschränkten Leistungsbereitschaft und der gleichzeitigen Suche nach neuer Arbeit verbunden, die eine sicherere Existenz und mehr Berufsperspektiven zu bieten hat. Obwohl staatliche oder private Arbeitsvermittler ihre erwerbslosen Kunden gerne in ein Beschäftigungs- Verhältnis in einer dieser "Job-Maschinen" bringen und dies als großen Erfolg werten, müssen wir aber der Tatsache ins Auge sehen, dass der solchermaßen aus der Arbeitslosenstatistik Gezogene auf Dauer nicht davon leben, geschweige dennoch seine Zukunft beruflich wie versorgungstechnisch absichern kann. Denn viele dieser geringfügig Beschäftigten sind zwar im Angestellen-Verhältnis, arbeiten aber ohne Sozialversicherungsschutz als Teilzeit-Kräfte auf 325 EURO-Basis. Andere arbeiten als studentische Aushilfskräfte mit speziellen arbeits- und verdienst- rechtlichen Regelungen. Im Verhältnis dazu sind nur wenige Angestellte sozialversicherungspflichtig als Teil- oder Vollzeitkräfte tätig, die aber kaum mehr als ihre studentischen Kollegen verdienen. Darüber hinaus existieren in solchen Beschäfti- gungs-Verhältnissen sehr oft keine oder kaum Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und arbeitsrechtliche Absicherungen. Wie Sie aus dem Kapitel über Bewerbung gelesen haben, erhöhen solche Beschäftigungen nicht Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern verringern diese noch, insbesondere dann, wenn kein Bezug zum qualifizierten Berufsfeld besteht. Sowohl in diesen unsicheren Arbeits-Verhältnissen als auch in solchen mit abgesicherten und Berufs- perspektive schaffenden Rahmenbedingungen gibt es noch weitere Gründe, die einen solidarischen Zusammenhalt der Belegschaft nicht oder kaum zustandekommen lassen. |
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