Karriere: Arbeit als Angestellter 2

 

Themen-Übersicht

Arbeit als Angestellter
(Lesezeit für dieses Kapitel: 00 Minuten)




Informations- und Arbeitsfluß

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Wo Formalitäten und Konventionen durch Flexi-
bilität ersetzt wurden, können sehr kurzfristig
Teams projektorientiert zusammengestellt werden.

Das hat gewiß den Vorteil, dass Ihre Arbeit
abwechslungsreich wird und Sie die Möglich-
keit haben, viele unterschiedliche Mitarbeiter
Ihres Unternehmens kennenzulernen.

Doch so schnell sich Teams aufbauen lassen,
so schnell können sie sich wieder auflösen
und an anderer Stelle neu formieren, was zu
Komplikationen führen kann:

Nehmen bei "unflexibler" Arbeitsweise alle
gleichermaßen an einer zentralen Besprechung
teil, so finden bei flexiblen Firmen meist
mehrere Besprechungen in Untergruppen an
diversen Orten und zu unterschiedlichen
Zeiten statt.

Durch diese ständige Dynamik dezentraler
Arbeitsabläufe wird der Informationsfluß
stark gebrochen. Wichtige Arbeits-Informationen,
Anweisungen, Beschlüsse etc. gelangen somit oft
nur unvollständig oder sehr diffus an die Empfänger.
Verständnis-Rückfragen, Einwände oder Anregungen
können dabei nur selten berücksichtigt werden.

Auch wenn ein Projektleiter vorhanden ist
- so zeigt es die Erfahrung - ist nicht immer
sichergestellt, dass jeder jede Information
auch tatsächlich erhält. Vielmehr wird erwartet,
dass sich jeder Mitarbeiter selbst um die für
ihn notwendigen Informationen bemüht.

Benachrichtigungen über aktuelle Besprechungs-
ergebnisse, Änderungen und Info-Updates werden
heute größtenteils per E-mail an die Mitarbeiter
versendet.

Wer in der Hektik und dem Stress der Projekt-
abwicklung eine Nachricht versäumt oder für
die eigene Arbeit wichtige Ansprechpartner
nicht immer erreichen kann, hat schnell eine
Informationslücke, die zu Abstimmungs- und
Koordinationsfehlern führen kann, die ihm
angelastet werden.



Flexible Arbeitszeiten

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In Sachen flexibler Arbeitszeitgestaltung, bei
der kein Arbeiten nach Stechuhr und Leistungs-
vorschriften notwendig sein soll, gilt aber statt-
dessen das Prinzip der Ergebnisorientiertheit.

Das bedeutet, das jedem Arbeitnehmer die schein-
bare Freiheit gegeben wird, seine Zeit selbst ein-
zuteilen, wobei es "nur" darauf ankommt, dass die
zu erbringende Leistung zu einem bestimmten Termin
fertig sein muß.

Da aber in der Regel das Auftragsvolumen sehr groß
und der Termindruck oft unerträglich hoch ist, sind
Überstunden bis spät in die Nacht und oft übers
Wochenende keine Seltenheit und werden auch nicht
mehr als solche bezahlt.

Arbeitszeit und Freizeit verschmelzen dabei und
erfordern eine Neuorganisation des Lebens und
der Arbeit mit Kollegen, die nun auch außerhalb
der sonst üblichen Arbeitszeiten für eine eventuelle
Zusammenarbeit erreichbar sein müssen.

Die Flexibilisierung der Arbeitszeit ermöglicht
es, tagsüber Dinge zu erledigen, die ansonsten
nicht machbar wären oder bestenfalls nur in den
Feierabendstunden (wie z.B. Einkäufe, Besorgungen,
Behördengänge, Teilnahme an Veranstaltungen etc.).

Doch das fordert auch seinen Preis:
Da die ständige Einsatzbereitschaft mittel- und
langfristige Planungen verhindert, können Sie
nur noch kurzfristig und spontan über Ihr Privat-
und Berufsleben disponieren.

Ihr Tagesablauf im speziellen und Ihr Lebens-
und Arbeitsrhythmus im allgemeinen können dabei
leicht außer Kontrolle und ins Chaos geraten.
Solche ungeregelten und nicht mehr berechenbaren
Lebensverhältnisse begünstigen unter Umständen
die Entstehung einer ebenso unausgeglichenen
psychischen Verfassung und entsprechender
Verhaltensweisen, die das Verhältnis zu Ihrer
sozialen Umwelt belasten.

Durch ungeregelte Lebensbedingungen können
Sie auch in Konflikte mit Ihren privaten und
beruflichen Zielsetzungen kommen. Denn:

Um gesteckte Ziele erreichen zu können, müssen
Sie die Mittel und Methoden Schritt für Schritt
kontinuierlich planen und koordinieren, was jedoch
bei flexiblen Arbeitszeiten meist unmöglich ist.
Wie sollen Sie sich unter diesen Umständen
z.B. beruflich weiterbilden können, wenn die Weiter-
bildungsinstitute nur nach festem und geregeltem
Zeit- und Lehrplänen unterrichten ?

Auch auf privater Ebene erschweren flexible
Arbeitszeitregelungen das Erreichen Ihres Ziels,
harmonisch mit Ihrem sozialen Umfeld zu leben.

Immer mehr zwischenmenschliche Beziehungen
werden durch den Mangel an gemeinsamer Freizeit
gefährdet. Wieviele Ehen, Lebenspartnerschaften
und Freundschaften sind gerade unter Berufstätigen
deswegen zerbrochen bzw. erst gar nicht zustande
gekommen !

Die "freie" Arbeitszeitgestaltung erlaubt dem
Angestellten nämlich selten ein eigenmächtiges
Verfügen über seine Freizeit. Vielmehr ist er
abhängig von der Auftragslage seines Arbeit-
gebers und den angemeldeten Arbeitszeiten all
seiner Kollegen, mit denen er sich abstimmen muß.

Der in solcher Weise fremdbestimmte Personal-
einsatz-Plan läßt also für die eigene Zeitdispo-
sition nur sehr bedingt einen Spielraum.
Dieser wird noch zusätzlich dadurch eingeengt,
dass jeder Angestellte bereit sein muß, in seiner
Freizeit einzuspringen, wenn ein unvorhergesehen
erhöhter Arbeitskräftebedarf oder ein unerwartet
auftretender Ausfall von eingeplantem Personal
eintritt.

Dadurch wird es besonders schwer, den eigenen
Zeitplan mit den Zeitplänen all jener zu syn-
chronisieren, mit denen Sie in sozialem Kontakt
bzw. in persönlicher Beziehung stehen.

Das Knüpfen und Pflegen von Kontakten wird
auch im Berufsalltag durch die flexiblen Arbeits-
zeiten immer seltener möglich. Kurz-, Gleit-
und Schichtarbeit verhindern ein Aufkommen
eines Gefühls kollegialer Verbindlichkeit.



Phänomen Fluktuation

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Erst recht dann, wenn die Personal-Fluktuation
überdurchschnittlich hoch ist, wie in Betrieben
des Dienstleistungssektors mit einer hohen Anzahl
minderqualifizierter und gelegenheitsarbeitender
Angestellter.

Solche Unternehmen haben Sie bereits im Kapitel
über "Existenzbezogene Jobs" kennengelernt.
Der Geschäftsgegenstand liegt in der Regel im
Erbringen folgender Leistungen:

Pizza-Lieferservice, Kurierdienste, Taxi-Fahrdienste,
Service in Fastfood-Restaurants und in Gastronomie,
Promotion- & Sales-Service, Callcenter-Service,
Ordnungs-, Aufräum- und Reinigungsdienste, sowie
viele andere Dienstleistungen, die sehr viel mensch-
liche Arbeitskraft (Manpower) erfordern, aber keine
oder nur sehr geringe Qualifikationen.






Heterogene Personalstrukturen

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Aus diesem Grunde sind Unternehmen obiger Branchen
Auffangbecken für Arbeitsuchende aller Art und haben
daher eine sehr heterogene Personalstruktur:

    Schüler, die sich ihr Taschengeld aufbessern wollen
    Studenten, die ihr Studium finanzieren müssen
    Hausfrauen, die ihre Haushaltskasse aufstocken
    müssen oder möchten
    Hausfrauen, die Abstand vom täglichen Familienleben
    suchen und zu einem neuen Selbstbewußtsein ge-
    langen wollen (Streben nach Selbstbestimmung,
    Anerkennung, psychologische Unabhängigkeit usw.)
    ledige oder geschiedene Frauen, die ihren Lebens-
    unterhalt bestreiten müssen
    Akademiker, die noch keine adäquate Anstellung ge-
    funden haben und sich bis dahin "über Wasser" halten
    Schwer Vermittelbare, die wegen mangelnder Qualifi-
    kationen, körperlicher Behinderung oder wegen ihres
    Alters sonst keinen Arbeitsplatz finden würden
    Von Arbeitslosigkeit Bedrohte, deren Qualifikationen
    nicht mehr gefragt sind oder nicht mehr ausreichen
    oder die aus anderen Gründen keine ihrer Ausbildung
    entsprechende Arbeit bekommen.
    Berufsorientierer, die sich zum ersten Mal oder
    wieder nach einem geeigneten Angestellten-Verhältnis
    umsehen und auf die Schnelle irgendeine Arbeit
    annehmen mußten, um Ansprüche auf Sozialleistungen
    erwerben oder aufrechterhalten zu können.


Diese Auflistung zeigt:

Sind Firmen mit qualifizierten Arbeitsplätzen - wie
weiter oben beschrieben - in ihrer Belegschaft über-
wiegend homogen, so haben diese Dienstleistungs-
Firmen mit un- bzw. minderqualifizierten Arbeits-
plätzen eine sehr unterschiedliche Personalstruktur
(in Bezug auf Alter, sozialer Herkunft, Vorbildung,
Wertesysteme, Berufserfahrung, Lebensverhältnisse
und Motiv/Anlaß der Arbeitsaufnahme).

Diese Heterogenität verhindert im Verbund mit
flexiblen Arbeitszeiten und einer in solchen Firmen
hohen Fluktuaktionsrate einen alles verbindenden
und kollegialen Teamgeist.


Gründe für die hohe Fluktuation
(Verhältnis aus Zu- und Abgängen des Personals):

Für die Zugänge:

siehe Liste der Arbeitssuchenden
mit deren Motive

Für die Abgänge:

    Auslauf der kurzbefristeten Arbeitsverträge
    Ende der Schul- bzw. Studienzeit
    Wechsel zu anderen "Job"-Firmen, die mehr Lohn
    und/oder bessere Arbeitsbedingungen anbieten
    Wechsel in ein der beruflichen Qualifikation
    angemessenes Angestellten-Verhältnis in Vollzeit
    Mangel an Möglichkeiten zur beruflichen Weiterent-
    wicklung in Bezug auf Qualifikation und Aufstieg
    Aufnahme einer beruflichen Weiterbildungsmaßnahme








Arbeitsentfremdung

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Der Hauptgrund für die fehlende Identifikation
mit Arbeit und Kollegen liegt daher nicht in der
Unlust und Trägheit der Mitarbeiter, wie die Arbeit-
geber der "Job"-Firmen und auch viele Politiker
behaupten, sondern vielmehr im provisorischen
Wesen dieser Erwerbstätigkeit.

Denn jeder, der solche geringfügigen Arbeiten annimmt,
sieht sich dazu nur aus wirtschaftlichen Sachzwängen
genötigt und leistet seine Arbeit im Bewußtsein, dass
diese nur solange andauert, bis etwas Besseres (d.h.
etwas dem eigenen Wissen und Können Entsprechende)
gefunden ist.

So ist die aus der Not geborene Arbeit automatisch
immer mit einer auf das Minimum beschränkten
Leistungsbereitschaft und der gleichzeitigen Suche
nach neuer Arbeit verbunden, die eine sicherere
Existenz und mehr Berufsperspektiven zu bieten hat.

Obwohl staatliche oder private Arbeitsvermittler
ihre erwerbslosen Kunden gerne in ein Beschäftigungs-
Verhältnis in einer dieser "Job-Maschinen" bringen
und dies als großen Erfolg werten, müssen wir aber
der Tatsache ins Auge sehen, dass der solchermaßen
aus der Arbeitslosenstatistik Gezogene auf Dauer
nicht davon leben, geschweige dennoch seine Zukunft
beruflich wie versorgungstechnisch absichern kann.

Denn viele dieser geringfügig Beschäftigten sind
zwar im Angestellen-Verhältnis, arbeiten aber ohne
Sozialversicherungsschutz als Teilzeit-Kräfte auf
325 EURO-Basis. Andere arbeiten als studentische
Aushilfskräfte mit speziellen arbeits- und verdienst-
rechtlichen Regelungen. Im Verhältnis dazu sind nur
wenige Angestellte sozialversicherungspflichtig als
Teil- oder Vollzeitkräfte tätig, die aber kaum
mehr als ihre studentischen Kollegen verdienen.

Darüber hinaus existieren in solchen Beschäfti-
gungs-Verhältnissen sehr oft keine oder kaum
Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und
arbeitsrechtliche Absicherungen.

Wie Sie aus dem Kapitel über Bewerbung gelesen
haben, erhöhen solche Beschäftigungen nicht Ihre
Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sondern verringern
diese noch, insbesondere dann, wenn kein Bezug
zum qualifizierten Berufsfeld besteht.

Sowohl in diesen unsicheren Arbeits-Verhältnissen
als auch in solchen mit abgesicherten und Berufs-
perspektive schaffenden Rahmenbedingungen gibt
es noch weitere Gründe, die einen solidarischen
Zusammenhalt der Belegschaft nicht oder kaum
zustandekommen lassen.








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