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Karriere: Existenzsicherung 2 | ||||||
So sollte Sozialstaatlichkeit im Idealfall aussehen und so wird sie oft heute noch in den Schulen präsentiert, wenn der Begriff der freien und sozialen Marktwirtschaft erklärt wird. Doch leider stellt sich die Wirklichkeit sehr viel ernüchternder dar: Denn wo dem Spiel der Marktwirtschaft immer mehr Freiheiten zugestanden wird, setzen sich nur noch die stärksten Wirtschaftskräfte durch und bestimmen, wer sich ihr unterzuordnen hat. Dazu gehören nicht nur die wirtschaftlich und sozial Schwächeren, sondern auch diejenigen, die die Macht hätten, einen solchen Machtmißbrauch zu verhindern: die Politiker. Diese sehen sich in Zeiten internationaler Wirtschafts- zusammenschlüsse und globalisierender Märkte ge- zwungen, den Wirtschaftsstandort Deutschland für Investoren und Unternehmer so attraktiv wie möglich zu machen. Um große Firmen und Konzerne als Steuer- zahler und Arbeitgeber behalten zu können, werden Rechte eingeräumt und Freiheiten zugestanden, die sich auf die soziale Gerechtigkeit kontraproduktiv auswirken und diese Stück für Stück abbauen. So findet das Streben nach Existenzsicherung sowie nach Verwirklichung des eigenen Glückes unter ungleichen Bedingungen statt und be- günstigt dabei nahezu ausnahmslos die wirt- schaftlich Mächtigen. Die ständig indoktrinär suggerierte Chancen- gleichheit besteht dann nur noch zum Schein und erzeugt wirklichkeitsfremde Vorstellungen von der Machbarkeit dessen, was für die meisten unmöglich bleiben wird. Nur wer genügend Geld und Macht hat, kann seine Interessen auch durchsetzen und damit seines eigenen Glückes Schmied sein, notfalls auch gegen geltende Gesetze und Abmachungen. Schwarze Schafe unter den Rechtsanwälten bieten sich hier skrupellos für hohe Honorare an und bringen damit ihre Zunft in Verruf. Und da regierende Politiker - egal von welcher Partei - durch ihre Abhängigkeit von Parteigeldern, Steuern und Arbeitsplätzen erpreß- und manipulierbar sind, werden sie auch von Wirtschaftsmächten zu politisch Regierten degradiert:
Somit spielt es kaum noch eine Rolle, welche Partei vom Volk mehrheitlich gewählt wurde oder welche Parteien durch Koalitionen die Regierungsverantwortung tragen. Die Prinzipien der Demokratie werden subversiv umgangen von denen, die im Hintergrund die Fäden ihrer politischen Marionetten-Puppen ziehen: Banken, Versicherungen, Investorengruppen, multi- nationale Konzern- und Kartellvorstände und der BDI (Bund der Deutschen Industrie). Die drei Erstgenannten sind jene, denen fast 80 Prozent des Wirtschaftskapitals gehören (weil kaum ein Unter- nehmen so viel Eigenkapital besaß bzw. besitzt, um damit langfristig erfolgreich wirtschaften zu können) und die Letztgenannten sind jene, die von den Erstge- nannnten dazu ermächtigt wurden, die unternehmer- ischen Geschicke nach deren Richtlinien zu lenken.
Wem wundert es da noch, wenn ständig Unternehmer- geist und das Selbstständigmachen propagiert wird ? In den Firmen werden abhängig Beschäftigte daher oft geistig so umgepolt, dass sie sich danach als Arbeits- kraftunternehmer verstehen. Viele Scheinselbständige, die Produkte im Auftrag von Unternehmen vertreiben oder Kunden akquirieren, wähnen sich trotz aller Abhängigkeiten als erfolg- reiche Selbständige. Desgleichen bei Freiberufler, die statt als buchbare Arbeitskraft, eher mit eigenem Firmenerscheinungsbild als Unternehmen im Markt auftreten und sich entsprechend verhalten, obwohl sie nur eine Ein-Mann- bzw. Ein-Frau-Firma sind und als Firmensitz meistens nur ein kleines Arbeits- zimmer in ihrer Privat-Wohnung haben. Logisch ist dann auch, dass versucht wird, die Gehirne der Kinder und Jugendlichen bereits auf Unternehmertum und sozialdarwinistisches Verhalten zu programmieren. Dies geschieht in den Schulen z. B. durch Wirtschafts- plan- und Börsenspiele als auch durch Manager- und Unternehmer-Rollenspiele. Statt das Verständnis um wirtschaftliche Zusammenhänge überparteilich und mit sozialem Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln, wird hierdurch um Verständnis für Arbeitsplatz- und Sozial- abbau geworben und zum rücksichtslosen Durchsetzen individueller Wirtschaftsinteressen animiert. Im Privatbereich wird dieses Verhalten unterstützt durch z.B. Monopoly und ähnliche Gesellschafterspiele, PC-Strategie- und Videokampfspiele ("hit and run"; "hunt them down and score";"kill as a heroe"), die aufgestaute Aggressionen kanalisieren und die wirt- schaftliche und millitärische Kriegsbereitschaft auf- bauen, sowie kommerzielle Werbe- und Unterhaltungs- sendungen im Fernsehen us-amerikanischer Machart, die den "American spirit and the american way of life" propagieren und die fast ausnahmslos im gleichen (Un-)Geist geschriebenen "Erfolgs"-Ratgeberbücher. Diese und viele anderen subversiv indoktrinierenden "Unterrichtsmaterialien" heizen die pubertären All- machtsphantasien realitätsentfremdeter Kids und Teens an und wandeln sich später in eine verfestigte sozial- darwinistische Ideologie. Ihr zufolge hat nur derjenige eine Existenzberechtigung im harten Überlebenskampf des Großstadt-Dschungels , der ohne moralische Bedenken rücksichtslos soziale und wirtschaftliche Schwächen seiner Mitbewerber sowie Gesetzes- lücken ausnutzt und sich auf Kosten und zu Lasten Anderer bereichert. Damit derartig Erzogene nicht auf die Idee kommen, Ihre vorgespielte und fremdgesteuerte Lebensweise kritisch auf gesellschaftliche Verantwortbarkeit hin zu hinterfragen, wird suggeriert, ein Reflektieren und Umdenken sei unnötig, da sie bereits so kompetent und aufgeklärt genug seien, um zu wissen, was sie zu tun und zu lassen hätten. Diese erzeugte Täuschung ist natürlich Balsam für die eitle Seele des us-amerikanisch Träumenden, der im Glauben gehalten wird, in ihm stecke das Zeug zu einem erfolgreichen Unternehmer, der nur allein durch Willen und Kampf (bzw. Krieg in jeder Form) sein Ziel erreichen und nach ein paar Jahren zum Held und Millionär werden könne. Der so Geschmeichelte übernimmt das sozialschäd- liche Gedankengut und macht es sich zu seinem eigenen. Und da Selbsttäuschung die Verbesserung der Einsichts- fähigkeit verhindert, werden auf Vernunft, humanis- tischer Aufklärung und Erfahrung aufbauende Erkennt- nisse sozialer Gerechtigkeit als unproduktive (= die Ausbeutung einschränkende und damit unwirtschaftliche) Geistesspielereien diffamiert oder von zumeist jugend- lichen Träumern der Auslach- und Spaßgesellschaft als "uncoole" Spielverderbereien abgewertet. Solche Verhaltensweisen sind Abwehrreaktionen, die eine Auseinandersetzung mit diesen Erkenntnissen verhindern sollen. Wäre eine Auseinandersetzung möglich, würde das den Glauben an uneingeschränkter Selbstverwirklichung (als Garant angesehen für Glück und Erfolg) erschüttern und zur Enttäuschung führen: Der das lebenmitbestimmende Schicksal Verspottende und Verhöhnende müßte befürchten, dass er bei all seinem Streben nach Glück und Erfolg durch eben dieses Schicksal selbst verspottet und verhöhnt werden kann. Die Widersprüchlichkeit zwischen dem Anspruch auf uneingeschränkter Selbstverwirklichung für jeden und der praktischen Umsetzung offenbart sich in zwingender Logik: Wer sein Schicksal selbst bestimmen will, um sich uneingeschränkt zu verwirklichen, muß über das Schicksal Anderer verfügen, womit er deren Schicksalsbestimmung und Selbstverwirklichung einschränkt. Der Grad der Selbstverwirklichung hängt immer von der eigenen Geldmenge ab, die auch den Grad der Machtaus- übung über Andere und den Geldzuwachs bestimmt. Je weniger Geld, desto mehr Abhängigkeit von fremd- bestimmender Macht. Ohne Geld ist man bestenfalls ein nahezu rechtloser Bittsteller oder schlimmstenfalls gesellschaftliches Freiwild ohne Existenzberechtigung. Je mehr Geld, desto mehr eigenbestimmende Macht. Je mehr eigene Macht, desto mehr Freiheiten, aber auch dann bleibt die Abhängigkeit von gleich- bzw. übergeordneten Machtverhältnissen, die gegen wer- dende und bestehende Konkurrenten verteidigt werden. Somit steht jeder in einem Netz von Abhängigkeiten, das die absolute Freiheit und totale Selbstverwirklichung zur Utopie macht. Jeder kann nur so frei und selbst- bestimmt leben und sich weiterentwickeln, wie es seine finanziellen Möglichkeiten und die Mächte seiner Umwelt zulassen. |
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