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Karriere: Existenzsicherung 4 | ||||
Doch wie sieht es mit der Auslegung und Umsetzung dieser Versprechen tatsächlich aus ? Gewährleisten sie unsere Existenz- und Alterssicherung ? Leider nein. Für den größten Teil der Bevölkerung (d.h. alle abhängig in der freien Wirtschaft Be- schäftigte und nicht von eigenem oder fremdem Vermögen Lebende), wird die Existenz- und Alters- sicherung systematisch verhindert und bedroht. Die Gründe hierfür erleben wir tagtäglich: Durch die internationale Vernetzung aller wirt- schaftlichen Vorgänge (Produktion, Ein- und Ver- kauf, Logistik, Verwaltung, Management, Werbung und Marketing etc.) - auch Globalisierung genannt - ist eine eigenständig nationale Wirtschafts- und Finanzpolitik nur noch sehr bedingt bis kaum noch möglich. Die grenzüberschreitende Freizügigkeit und die Freiheit in der Gewerbeausübung erlauben den marktbestimmenden Unternehmen, die Interessen kleinerer Firmen und abhängig Beschäftigter sowie unterschiedliche nationale Gesetzgebungen gegen- einander auszuspielen. Nationale Regelungen zur Verhinderung unlauterer und wettbewerbsverzerr- ender Methoden auf dem Handels- und Arbeits- markt können somit legal umgangen werden. Damit wird das Prinzip der Chancengleichheit bei Gewerbeausübung und lohnabhängiger Erwerbs- arbeit zunichte gemacht. Ein Beispiel ist das Auslagern von Produktions- stätten in Billiglohnländer. Dabei gehen nationale Arbeitsplätze und die Möglichkeiten zum Erwerb qualifizierenden Fachwissens und berufsfördernder Erfahrungen verloren. Die oft unter menschenun- würdigen Bedingungen (Zwangsarbeit von Kindern und politisch Inhaftierten) gefertigten Produkte werden zu Dumpingpreisen importiert und auf dem nationalen Markt verkauft. Kleine und mittelständische Unternehmen - als effektive Wirtschafts-Organe zur Entwicklung von Fachkräften und Innovationen - werden dabei an den Rand ihrer Existenz gedrückt und immer handlungsunfähiger. Das führt zum Sozial- und Stellenabbau und/oder zum ebenfalls - wenn auch stark eingeschränkten - Ausnutzen internationaler Standorte, was die Wirtschafts- und Arbeitsmarkt- situation wiederum verschärft. Die gleiche Wirkung hat das "Importieren" von Fachkräften und Spezialisten. Hier entsteht sogar ein doppelter Schaden: Zum einen wird dem Staat geschadet, der in diese Fachkräfte investiert hat und dann seine quali- fizierten Hoffnungsträger verliert, die nun zum dringend notwendigen Aufbau seiner minder- bzw. unterentwickelten Wirtschaft fehlen. Zum anderen wird dem Staat geschadet, in dem diese importierten Fachkräfte arbeiten, weil dadurch ein Ent- wickeln von qualifiziertem Personal in den hiesigen Unternehmen ausbleibt. Damit wird Qualifizierungs- willigen keine Chance gegeben, das noch zur Vervoll- ständigung des Anforderungsprofils nötige Wissen zu erwerben, das sie zum Besetzen der offenen Facharbeitsstellen brauchen. So bewirken Unternehmen und Politiker mit neo- liberalistischer Gesinnung durch obige Praktiken genau das Gegenteil von dem, was sie öffentlich verkünden: Statt Arbeitsplätze zu erhalten und auszubauen, vernichten sie diese im Inland und statt im Inland Qualifikation durch Arbeit und Bildung zu fördern, verhindern sie diese durch Fachkraft-Importe. Auch die größere Investitionsbereitschaft, die die führenden Wirtschaftskräfte als Gegenleistung für mehr Steuererleichterungen und Abbau staatlicher Kontrollen den Regierenden versprechen, weckt genauso falsche Hoffnungen und gefährdet ebenso die Existenzsicherung. Denn investiert werden kann nach ausschließlich profitorientierter Unternehmensphilosophie nur in Technologien und Maßnahmen, die sich durch einen minimalen Aufwand und einem dazu maxi- malen Nutzen sehr schnell rentieren. Auf die Wirtschaftspraxis übertragen, bedeutet das die Wahl von Investitionsgütern und Produktions- weisen, die ein schnelles und flexibles Reagieren auf einen sich ständig ändernden Markt erlauben und mit deren Hilfe sehr viele Arbeitsplätze ab- gebaut werden können. Daher ist auch die Behauptung, dass importierte Fachkräfte (wie z.B. IT-Spezialisten) Arbeitsplätze schaffen würden, nur eine Täuschung. Denn: Kurzfristig werden Arbeitsplätze geschaffen für wenige Spezialisten, die aber später wieder ent- lassen werden, sobald sie Systeme eingerichtet haben, die auch ohne sie lauffähig und bedienbar sind und die ehemals personalbedürftige Arbeitsgänge voll automatisieren und damit bestehende Arbeitsplätze wegrationalisieren können. Durch den rasanten Technologiewandel werden zwar immer wieder Fachkräfte zu Korrekturen, betriebs- spezifische Modifikationen, Systemanpassungen und Wartungen benötigt, aber nur projektorientiert auf Zeit. Da Fach- und erst recht Spezialwissen so schnell wie noch nie veralten (alle 6 Monate werden Wissen und Technik modifiziert), kann ein ehemals händeringend gesuchter Fachmann nach kurzer Zeit bereits nicht mehr gefragt sein, wenn er sein Wissen nicht aktualisiert. Selbst wenn er hierfür viel Zeit und Geld (das dann wieder der Existenz- und Alterssicherung entzogen wird) aufbringt, wird er mit fortgeschrittenem Alter damit rechnen müssen, dass einem jüngeren Bewerber der Vorzug gegeben wird. Die nämlich, tragen nicht den "Ballast" veralteten Wissens mit sich herum (der für höhere Gehaltsansprüche verantwortlich ist) und sind von vornherein gleich auf die neueste Technik hin ausgebildet worden. Zudem halten Personalentscheider Studenten und frisch Ausgebildete für kosteneffektiver, aufnahme- fähiger, kreativer und flexibler. Doch auch diese werden nur solange gefragt bleiben, bis der nächste technische Wandel noch aktueller ausgebildete Studenten erfordert. Die so oft und begeistert propagierte Qualifizierungs- Offensive ist daher nur geeignet, jungen Bewerbern (zwischen 18 und 28 Jahren) den Einstieg in qualifi- zierte Laufbahnen zu ermöglichen. Diese Laufbahnen können aber schnell in die Sackgasse führen durch den Technologiewandel (siehe oben) und fehlende Weiterentwicklungsgelegenheiten durch befristete Arbeitsverträge und ständigen Arbeitsbereichswechsel. Für ältere Bewerber ist die Qualifizierungs- Offensive aber erfahrungsgemäß - entgegen allen Dementis - keine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit, solange Arbeitgeber beruflichen Umsattlern und Quer- einsteigern gegenüber mißtrauisch eingestellt sind und entweder Jugendlichkeit oder lange einschlägige Etabliertheit erwarten. Es häufen sich immer mehr realitätsfremde Stellenangebote, in denen sogar beides gefordert wird ( siehe dort) ! Das in diesem Zusammenhang geforderte "lebenslange Lernen" ist auch wirtschaftlich für den Arbeitnehmer selten realisierbar. Denken wir nur daran, wie heftig sich Unternehmen dagegen wehren, Änderungen oder gar Neuerungen in ihren Betrieben zuzulassen, weil jede noch so kleine Veränderung dann eine Vielzahl weiterer nötig werdender Änderungen hervorbringt. Die so erzeugten Aufwendungen und Kosten über- steigen dabei oft den Nutzen des bereits Etablierten und widersprechen somit dem Wirtschaftlichkeitsprinzip. Dieses Effizienzkalkül wird dem kapitalbesitzenden Unternehmen als vernünftige und rationale Erwägung zugestanden. Dem mittellosen und wirtschaftlich ab- hängigen Arbeitnehmer dagegen, werden derartige Erwägungen als Uneinsichtigkeit und Leistungsver- weigerung angekreidet, wenn er es sich nicht leisten kann, ständig in teure Weiterbildungsmaßnahmen zu investieren, deren Erfolgsaussichten aus den vielen genannten Gründen fraglich sind. Der Unternehmer könnte zwar schnell auf Änderungen durch Technikaustausch reagieren, aber der Arbeit- nehmer kann sein Wissen und die beruflich benötigten Lern- und Arbeitsmittel nicht ständig ausstauschen und erneuern, ohne existentiell ruiniert zu werden. Abgesehen von diesen auf Arbeitsmarktspekulationen und dem Prinzip Hoffnung aufbauenden beruflichen Ausgaben, ist die Existenz- und Alterssicherung des gegenwärtig Erwerbstätigen durch viele andere Risiken gefährdet. Ein dominantes Risiko ist die mehr oder weniger regelmäßig wiederkehrende Arbeitslosigkeit. Sie entsteht durch permanenten Technologie- und Strukturwandel einerseits und staatlich geduldeter Unternehmenspolitik anderseits. Als naturgegebenes Schicksal, dem man sich immer wieder von Neuem als Herausforderung und Chance zu stellen hat, wird die Arbeitslosigkeit gerade von denen positivistisch verklärt, die entbunden sind vom harten Existenzkampf in freier Wirtschaft: Beamte in Arbeits- und Wirtschaftsförderungs- ämter und Politiker. Sie sind versorgt bis an ihr Lebensende, ganz gleich, ob und wie sie leistungs- und erfolgs- orientiert arbeiten oder nicht. Kontinuierlich können sie ihre beruflichen Tätigkeiten fortführen ohne dringliche Notwendigkeit einer Weiterbildung. Wie leicht läßt sich dann Opfer-, Investitions- und Lernbereitschaft anmahnen von den wirt- schaftlich Schwächsten, von denen sie leben. Denn die wirtschaftlich Stärksten haben in der Politik ihre eigene Lobby und sind so mächtig, dass sie Gesetze und Regelungen erwirken können, die ihnen, wenn überhaupt, nur ein Minimum an Steuern, Sozialabgaben und anderen Tributen an den Staat abverlangen. Nicht nur, dass der Staat um seine Einnahmen geprellt wird, er wird sogar noch ausgenommen und muß Staats- bürger für die Wirtschaft ausbilden und qualifizieren, ohne Einfluss auf die Einstellungs- und Beschäftigungs- politik der Wirtschaft zu haben: Wenn Unternehmen aus reinem Profitmaximierungs- streben oder anderen Gründen keine qualifizierten Bewerber einstellen möchten, so können sie diesen jederzeit ohne Angabe von Gründen Absagen erteilen, selbst dann, wenn das Arbeitsamt dem Erwerbslosen eine Bewerbung bei dieser Firma nahelegt. Die Macht der Unternehmen gibt den Personalchefs eine Position, die sie von der Rechtfertigungspflicht entbindet. Doch gerade die Darlegung, nach welchen Kriterien und mit welchen Methoden die Entscheidungs- findung herbeigeführt und wie die Absage begründet wird, ermöglicht erst die Erkenntnis eigener Schwächen und Defizite. Dadurch kann sich der Arbeitsuchende gezielt auf die nächsten Bewerbungen mit mehr Aus- sichten auf Erfolg vorbereiten. Doch stattdessen werden ihm diese dringend not- wendigen Rückmeldungen verweigert und verzweifelte Orientierungslosigkeit nimmt ihren Lauf. Nicht genug damit, muß der Erwerbsuchende noch ständig seinen beruflichen Werdegang und die erfolglosen Bewerb- ungen rechtfertigen vor seinem sozialen Umfeld, dem Arbeitsamt und den nächsten Personalentscheidern. Statt aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke und ihrer gesellschaftspolitischen Machtausübung soziale Verant- wortung zu tragen, wälzt die private Wirtschaft diese auf den Staat ab, der die von den Unternehmen erwerbs- los gemachten und gehaltenen Bürger noch obendrein versorgen muß. Doch die Kassen des Staates, die die Existenz der Arbeitslosigkeitsopfer sichern sollen, werden immer leerer durch die rücksichtslose Ausbeutung des unge- zügelten Unternehmertums neoliberalistischer Wirt- schaftsprägung. Wie sollen sich denn auch Reserven für eine intakte Sozialstaatlichkeit und einer abgesicherten Alters- vorsorge ansammeln, wenn die unkontrollierte Wirt- schaft immer mehr Arbeitslosigkeit produziert ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn der Erwerbsuchende lebenslang lernen soll und vor lauter Qualifizierungsmaßnahmen nicht zur lohn- bringenden Arbeit kommt und dazwischen noch nicht einmal sicher sein kann, ob diese Maßnahmen über- haupt zur qualifizierten Beschäftigung führen ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn sozialabgabenfreie Gelegenheits- und 325 EURO-Jobs (die die Chancen auf berufsbezogene Arbeit ver- schlechtern und zum wirtschaftlichen Abstieg führen) immer mehr zur Existenzgrundlage werden, weil Ge- legenheiten zur unbefristeten und qualifizierten bzw. qualifizierenden Vollzeitarbeit zerstört werden ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn wirtschaftlich Abhängige den Gewerbeschein bean- tragen müssen (wodurch die Sozialversicherung aus- fällt, wenn freiwillige Versicherungen nicht abge- schlossen und finanziert werden können), weil nur freiberufliche bzw. (schein-)selbständige Erwerbs- tätigkeit angeboten wird, die oft mehr Kosten als Gewinn verursachen und damit die Existenz- und Alterssicherung bedrohen ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn Großunternehmen und Konzerne sich trotz steigender Gewinne durch geschickte Steuerjongleure ("bilanz- sichere Buchhaltung") in rote Zahlen rechnen und/ oder Gewinne auf anonyme Bankkonten in Steuer- oasen verschieben und damit große Steuerbeträge hinterziehen können ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn Briefkastenfirmen oder absichtlich mit Verlust ge- führte Unternehmen zu steuerlichen Abschreibungen berechtigen ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn staatliche Förderungsgelder unter Vortäuschung der Verwendung zu gemeinnützigen Zwecken zu privat- wirtschaftlicher Bereicherung mißbraucht werden ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn Gewinne aus Börsenspekulationen steuerfrei bleiben und die Vermögenssteuer von den Zerstörern des staatlichen Gemeinwesens abgeschafft werden soll ? Wie sollen Staatseinnahmen zustande kommen, wenn Schwarzarbeit und Wirtschaftskriminalität durch den neoliberalistischen Ruf nach weniger Staat un- kontrolliert und wild wuchernd um sich greifen und der Volkswirtschaft existenzgefährdende Schäden zufügen können ? Solange all diese staatsräuberischen und wirtschafts- kriminellen Machenschaften durch Unrechtsanwälte, Wirtschaftskapitäne und deren politische Handlanger als "freies und engagiertes Unternehmertum" legalisiert und durch den us-amerikanischen (Un-)Geist verklärt, glorifiziert und damit pervertiert werden, wird unsere Existenz- und Alterssicherung aufs Spiel gesetzt ! "Arbeitsvergütung: trotz Arbeit existenzgefährdet..." im neuen MLG-Forum. Hier klicken. "Arbeitslosigkeit: Schicksale & Gegenmaßnahmen" im neuen MLG-Forum. Hier klicken. Noch wird dieses Bewußtsein vernebelt durch privatwirtschaftliche Vermögen vergangener Zeiten, durch Nutzung beruflicher Beziehungen bzw. Über- nahme geschäftlicher Tätigkeiten aus verwandt- schaftlichen Kreisen, sowie durch die Unter- haltungsindustrie und den Irrglauben, dass jeder seines Glückes Schmied sei und jeder schnell reich und berühmt werden könne, wenn er nur wolle. Doch der Krug geht nur so lange zum Brunnen, bis er bricht. Die Grundlagen für unser Gemeinwesen und unsere Zukunft dürfen nicht mehr länger durch privatwirt- schaftliche Willkürherrschaft und gesellschafts- zersetzendem Egozentrismus neoliberalistischer Prägung systematisch zerstört werden ! Schon jetzt befindet sich unsere Gesellschaft im Zerfall. Die Auflösung der einst gut versorgten Mittelschicht trennt die Staatsbürger - fast unab- hängig von sozialer Herkunft - in mehr Reiche und unzählige Arme ohne Zukunft. Die Kluft wird immer größer, die Spannung wächst. Der soziale Frieden und Ihre wirtschaftliche Sicherheit sind in Gefahr... Ich hoffe, dass Ihnen dieser Ratgeber Einsichten und Erkenntnisse vermitteln konnte, die Ihnen nicht nur bei Ihrer Karriereplanung helfen, sondern Ihnen die Dringlichkeit engagierten politischen Handelns bewußt macht. Zeigen Sie Ihren Mut, zu Ihrem sozialen Gerechtig- keitsempfinden zu stehen, es zu verteidigen und damit ein Zeichen der Hoffnung auf eine mensch- lichere Zukunft zu setzen ! Ende des Reports
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