Multimedia-Ratgeber: Webdesign

 
Spezial: Webdesign, Teil 2 e


Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten





Themen-Übersicht:
Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten


Selbständigkeit oder Festanstellung ?
Wie kommen Sie an Aufträge ?
Schein-Kunden & Leistungspreller
Gehören Sie zum Opfer-Kreis ?
Ihre Kontaktaufnahme-Situationen
Die Maschen dubioser Auftraggeber
Woran erkennen Sie unseriöse Kunden ?
Was gehört zum fairen Auftrag ?
Die Praxis-Hürden zum Auftrag
Auftrag gesichert - was nun ?
Welche speziellen Fachbereiche sind gefragt ?
Verdienst: scheinbar und faktisch
Gehälter für angestellte Webdesigner
Honorare für selbständige Webdesigner
Website-Kostenkalkulation
Bewertung, Trends & Aussichten

Webdesigner: Berufsgeschichtliche Entwicklung
Vom Webdesign zur New Economy
Der Ausbildungsmarkt für Webdesign
Trends der Webdesign-Entwicklung
Investitionen, Aufwendungen & Hürden
Tipps zur beruflichen Zukunftsgestaltung





Verdienst: scheinbar und faktisch



Was ein Webdesigner verdienen kann, hängt vom
Erwerbsstatus (angestellt oder freiberuflich), von
seinem Qualifikationsprofil und seiner Erfahrung ab.
Nicht zuletzt natürlich auch von der Größe und
Bedeutung des Arbeit- bzw. Auftraggebers.

Beginnen wir erstmal beim Angestelltenstatus.
Wer sich bei einem Media-Unternehmen oder einer
Agentur bewirbt, wird häufig gebeten, den Gehalts-
wunsch zu nennen.

Erwartet wird eine Brutto-Angabe bezogen auf ein Jahr
mit Anzahl-Nennung der Monatsgehälter.

Als Anfangsgehalt für einen frisch ausgebildeten
Webdesigner wird ein Brutto-Jahresgehalt in Höhe
von 25.560 EUR angesetzt.

Nach 5 Jahren Arbeitspraxis als Webdesign-Profi
kann das Brutto-Jahresgehalt auf eine Höhe
von 41.925 EUR ansteigen.

Diese Angaben waren insbesondere im Jahre 2000
in vielen Tarif-Regelwerken, Online-Jobbörsen,
Karriere-Beratungsmagazine und Berufsbild-
Broschüren von Arbeitsämtern und Handelskammern
zu entnehmen.

Auch Lehr-Institute haben sich sehr oft auf diese
Durchschnitts-Angaben berufen und als Empfehlung
an die Studenten bzw. Qualifikationsmaßnahmen-
Teilnehmer weitergegeben, weil seinerzeit die
konjunkturelle Stimmung nach Webdesignern schrie
und der Arbeitsmarkt Qualifizierungsanreize setzen
mußte.

Das gelang dem Arbeitsmarkt auch und produzierte
jede Menge Nachwachskräfte für die Neuen Medien.
Deswegen werden Sie es mit viel Konkurrenz zu tun
bekommen auf der Suche nach einer Anstellung oder
einem Auftraggeber.

Daher dürfte es Ihnen nun leicht fallen, sich die
realistischen Verdienstmöglichkeiten vorzustellen.

Diese liegen bei weitem unter den offiziell
empfohlenen Tarifvorschlägen und spotten bei
kritischer Analyse des Verhältnisses aus zu
erbringender Leistung und Netto-Lohn jeglicher
Beschreibung.

Ich werde Ihnen nun anhand eines Beispieles
aus der Praxis beweisen, wie ein verdeckter
Lohn-Dumping-Preis zustande kommen kann:

Wir erinnern uns, dass das Brutto-Jahres-Gehalt
eines Webdesign-Neulings bei ca. 25.560 EUR
liegen soll. Gehen wir von 12 Monatsgehältern aus,
liegt der Brutto-Verdienst pro Monat bei 2.130 EUR
(25.560 / 12).

Auf den Arbeitsämtern finden wir in den Stellen-
angeboten für Webdesigner dagegen Gehalts-
vorschläge zwischen 1.790 EUR und 2.045 EUR
brutto in Vollzeitarbeit.

Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick
noch nicht frappierend erscheinen. Er wird es
erst dann, wenn wir uns vor Augen halten, dass
dieses Gehaltsangebot sich nicht auf Web-
Neulinge bezieht, sondern bereits auf erfahrene
Webdesign-Profis, die auch serverseitig komplexe
Programmierungen vornehmen sollen.

Web-Neulinge werden erst gar nicht angefragt.
Diese erhalten nur als Praktikanten eine Chance,
für eine symbolische Entschädigung zu arbeiten.

Damit schmilzt der einstige (theoretische) Anspruch
eines erfahrenen Webdesigners von 3.493,75 EUR
brutto (41.925 EUR / 12) auf maximal 2.130 EUR
brutto im Monat.

Eine weitere Relativierung des Verdienstes liegt
in der tatsächlich zu leistenden Arbeitszeit.
Der Begriff "Vollzeit" ist heutzutage nicht mehr
gleichzusetzen mit "35-Stunden-Woche".

Sehr viele Unternehmen sind dazu übergegangen,
die Arbeitszeit ergebnisorientiert zu organisieren.

Das bedeutet, das jedem Arbeitnehmer die scheinbare
Freiheit gegeben wird, seine Zeit selbst einzuteilen,
wobei es "nur" darauf ankommt, dass die zu erbringende
Leistung zu einem bestimmten Termin fertig sein muß.

Da aber in der Regel das Auftragsvolumen sehr groß,
der Termindruck oft unerträglich hoch ist und
der Webdesigner zudem viele Funktionen übernehmen
muß, die früher andere Kollegen parallel ausübten, sind
Überstunden bis spät in die Nacht und oft auch übers
Wochenende leider keine Seltenheit mehr.

So können bis zu 70 Wochenarbeitsstunden anfallen.
Aufgrund der Ergebnisorientiertheit werden Überstunden
nicht mehr als solche vergütet.

Wenn wir nun eine durchschnittliche Tagesarbeitszeit
von 10 Stunden annehmen, auch Wochenendtage in die
Berechnung einbeziehen und 28 Tage pro Monat ansetzen,
so arbeitet der Webdesigner monatlich 280 Stunden.

Teilen wir den Brutto-Verdienst durch die Anzahl
dieser Monatsstunden, ergibt sich ein Stundenlohn
zwischen 6,39 EUR und 7,60 EUR brutto.

Im Vergleich dazu würde der theoretische Anspruch
eines erfahrenen Webdesigners bei einem Brutto-Monats-
gehalt von 3.493,75 EUR und einer tariflich "normalen"
Arbeitszeit von 140 Stunden pro Monat (35 Stunden
mal 4 Wochen) genau 24,95 EUR brutto betragen.

Dieses Beispiel hat Ihnen gezeigt, wie die großen
Differenzen der Stundenlöhne zustande kommen können,
die Ihnen von unterschiedlichsten Quellen genannt
werden und was bei der realistischen Einschätzung von
Verdiensten berücksichtigt werden muß.

Zur besseren Anschaulichkeit habe ich daher die oben
genannten Werte und Bedingungen bewußt extrem
gewählt, um auf die Folgen eines Mißbrauchs der
angespannten Beschäftigungslage aufmerksam zu
machen, der sich bei unkontrollierter Arbeitsmarkt-
und Lohnpolitik ausweitet.

Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass
obiges Beispiel daher noch nicht die Standardsituation
auf dem Webdesigner-Markt widerspiegelt und es
Unternehmen gibt, die auch faire Konditionen bieten
können, bei denen das Verhältnis zwischen Arbeit
und Lohn weitaus günstiger sein kann.

So können Unternehmen z.B. auch Webneulinge
aufnehmen, deren Wissen für die Unterstützung
der firmeneigenen Werbeabteilung ausreichend ist.

Selbst in Firmen, in denen das Erstellen von
Internet-Präsenzen zum Hauptgeschäft gehört,
können frisch ausgebildete und noch wenig er-
fahrene Webdesigner in Teams mit großer Arbeits-
teilung integriert werden.

Je nach Größe und Organsisation des Unternehmens
können sogar geregelte Arbeitszeiten und faire
Vergütungen auch für Webneulinge vorkommen.

Wie Sie sich aber noch erinnern, haben nur die
Bewerber eine Chance auf Einstellung, die gegen-
über ihren Mitbewerbern überdurchschnittlich mehr
Wissen und Erfahrung bzw. Referenzen nachweisen
können. Nach einer Schmalspur-Ausbildung (be-
zogen auf Zeitraum und Lehrinhalte) werden Sie
also nur sehr geringe Chancen haben und besten-
falls als Praktikant arbeiten dürfen.

Ebenso kritisch kann es bei der Bewerbung um
einen Arbeitsplatz sein, wenn Sie neben einer
guten Grundausbildung in Sachen Webdesign auch
Praxiserfahrung aus ganz anderen Berufsfeldern
mitbringen und diese Qualifikationen bei der
Frage nach Ihrem Gehaltswunsch in die Ver-
gütungsberechnung miteinbeziehen.

Dann nämlich wird der Personalentscheider nur
das von Ihnen erwartete Leistungsspektrum ins
Verhältnis zu Ihren Gehaltswünschen setzen und
diese als überzogene Forderungen werten und
Ihnen eine Absage erteilen.

Sie erkennen daran, dass Berufserfahrungen ent-
gegen landläufiger Meinungen und Forderungen also
nicht automatisch die Einstellungschancen erhöhen,
sondern sogar stark reduzieren, wenn die zuvor
ausgeübten Tätigkeiten nur wenig Bezug zum ange-
strebten Arbeitsumfeld haben. Hier sollten Sie daher
strategisch denken und umgekehrt verfahren:

Wenn Sie als Webneuling branchenfremde Berufs-
erfahrungen haben, sollten Sie sich daher in
Ihrer alten Berufsbranche erneut bewerben und
das Qualifizierungszeugnis zum Webdesigner als
Bewerbungsvorsprung gegenüber Mitbewerber
nutzen, denn elektronische Medienkompetenz
wird heutzutage fast überall benötigt.

Ihr frisch erworbenes Wissen wäre für die Web-
branche in den meisten Fällen nicht ausreichend,
aber für Ihren vorigen Beruf als Ergänzung ideal.



zur Themen-Auswahl





Gehälter für angestellte Webdesigner



Brutto-Gehälter für Angestellte
pro Monat bei einer 35 Stunden-Woche

  Qualifi-
kation A
Qualifi-
kation B
Qualifi-
kation C
Firmen-
Anforderungs-
Profil: S (klein)
1.790 EUR 2.045 EUR 2.300 EUR
Firmen-
Anforderungs-
Profil: M (mittel)
1.920 EUR 2.170 EUR 2.430 EUR
Firmen-
Anforderungs-
Profil: X (groß)
2.045 EUR 2.300 EUR 2.560 EUR

Bei ungeregelter Arbeitszeit (bis zu 80 Wochen-
stunden): Gehaltserhöhung um jeweils 307 EUR.


Obige Daten sind Durchschnitts-Gehälter, die den
realistischen Webdesigner-"Marktwert" markieren
und nur als grobe Orientierungshilfe dienen sollen.

Die Angaben sind ohne Gewähr und unverbindlich.


Legende zur Tabelle

Qualifikation

A

Frisch ausgebildeter Webdesigner
mit soliden Grundkenntnissen,
aber ohne Praxiserfahrung

Qualifikation

B

Praxiserfahrener Webdesigner
mit breitem Wissensspektrum:
Dynamische und interaktive Web-
seitengestaltung durch CGI und
Perl, ASP & PHP 4, sowie
e-Commerce & Online-Marketing

Qualifikation

C

Webdesigner mit langjähriger
Praxiserfahrung (> 3 Jahre):
Kenntnisse wie in Klasse B,
erweitert durch Spezialwissen
aus Informatik, Software- und
Systementwicklung

 
Firmen-
Anforderungs-
Profil

S

Klein-Unternehmen
mit Kunden, die überwiegend
Standard-Web-Präsenzen mit
nur informativem Charakter
brauchen ("me-too"-Prinzip)

Firmen-
Anforderungs-
Profil

M

Mittelständische Unternehmen
mit Kunden, die überwiegend
Web-Präsenzen brauchen, die
an der Corporate Identity &
am Online-Handel orientiert sind

Firmen-
Anforderungs-
Profil

X

Groß-Unternehmen
mit Kunden, die Web-Präsenzen
brauchen mit Corporate Identity,
Prestige- & Erlebnismarketing u.
spezielle e-Commerce-Lösungen,
die sich ins firmeneigene Waren-
wirtschaftssystem integrieren



Mithilfe der Legende können Sie sich und den möglichen
Arbeitgeber besser einordnen, wobei zwischenwertige
Zuordnungen zulässig sind und sich das entsprechende
Gehalt durch Mittelwertbildung errechnen läßt.

Es versteht sich, dass Sie als Webdesigner nur dort eine
reele Chance auf Einstellung haben, wo sich Ihr Qualifi-
kations-Profil mit dem Anforderungs-Profil der Firmen
weitestgehend deckt.

Daher sind die Gehaltswerte in der Tabelle überall dort
farbig unterlegt, wo beide Profile zusammenpassen.
Andere Kombinationen sind zwar theoretisch auch denk-
bar, aber praktisch eher unwahrscheinlich.



zu weiterführenden ThemenLesen Sie dazu bitte auch die Artikel über die
Einkommens-Situation von Selbständigen
im Kapitel "Freiberufliche Arbeit"
in der Rubrik Denken "Arbeit und Leben".



zu weiterführenden ThemenLesen Sie dazu bitte auch die Artikel
"Erwerbsstatus: Rechtslage"
im Karriere-Ratgeber "Im Besonderen".
Hier klicken.



zu weiterführenden ThemenLesen Sie dazu bitte auch die Postings zu:
"Kritisch nachgefragt:
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