|
Multimedia-Ratgeber: Webdesign | |||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Spezial: Webdesign, Teil 2 e
Was ein Webdesigner verdienen kann, hängt vom Erwerbsstatus (angestellt oder freiberuflich), von seinem Qualifikationsprofil und seiner Erfahrung ab. Nicht zuletzt natürlich auch von der Größe und Bedeutung des Arbeit- bzw. Auftraggebers. Beginnen wir erstmal beim Angestelltenstatus. Wer sich bei einem Media-Unternehmen oder einer Agentur bewirbt, wird häufig gebeten, den Gehalts- wunsch zu nennen. Erwartet wird eine Brutto-Angabe bezogen auf ein Jahr mit Anzahl-Nennung der Monatsgehälter. Als Anfangsgehalt für einen frisch ausgebildeten Webdesigner wird ein Brutto-Jahresgehalt in Höhe von 25.560 EUR angesetzt. Nach 5 Jahren Arbeitspraxis als Webdesign-Profi kann das Brutto-Jahresgehalt auf eine Höhe von 41.925 EUR ansteigen. Diese Angaben waren insbesondere im Jahre 2000 in vielen Tarif-Regelwerken, Online-Jobbörsen, Karriere-Beratungsmagazine und Berufsbild- Broschüren von Arbeitsämtern und Handelskammern zu entnehmen. Auch Lehr-Institute haben sich sehr oft auf diese Durchschnitts-Angaben berufen und als Empfehlung an die Studenten bzw. Qualifikationsmaßnahmen- Teilnehmer weitergegeben, weil seinerzeit die konjunkturelle Stimmung nach Webdesignern schrie und der Arbeitsmarkt Qualifizierungsanreize setzen mußte. Das gelang dem Arbeitsmarkt auch und produzierte jede Menge Nachwachskräfte für die Neuen Medien. Deswegen werden Sie es mit viel Konkurrenz zu tun bekommen auf der Suche nach einer Anstellung oder einem Auftraggeber. Daher dürfte es Ihnen nun leicht fallen, sich die realistischen Verdienstmöglichkeiten vorzustellen. Diese liegen bei weitem unter den offiziell empfohlenen Tarifvorschlägen und spotten bei kritischer Analyse des Verhältnisses aus zu erbringender Leistung und Netto-Lohn jeglicher Beschreibung. Ich werde Ihnen nun anhand eines Beispieles aus der Praxis beweisen, wie ein verdeckter Lohn-Dumping-Preis zustande kommen kann: Wir erinnern uns, dass das Brutto-Jahres-Gehalt eines Webdesign-Neulings bei ca. 25.560 EUR liegen soll. Gehen wir von 12 Monatsgehältern aus, liegt der Brutto-Verdienst pro Monat bei 2.130 EUR (25.560 / 12). Auf den Arbeitsämtern finden wir in den Stellen- angeboten für Webdesigner dagegen Gehalts- vorschläge zwischen 1.790 EUR und 2.045 EUR brutto in Vollzeitarbeit. Dieser Unterschied mag auf den ersten Blick noch nicht frappierend erscheinen. Er wird es erst dann, wenn wir uns vor Augen halten, dass dieses Gehaltsangebot sich nicht auf Web- Neulinge bezieht, sondern bereits auf erfahrene Webdesign-Profis, die auch serverseitig komplexe Programmierungen vornehmen sollen. Web-Neulinge werden erst gar nicht angefragt. Diese erhalten nur als Praktikanten eine Chance, für eine symbolische Entschädigung zu arbeiten. Damit schmilzt der einstige (theoretische) Anspruch eines erfahrenen Webdesigners von 3.493,75 EUR brutto (41.925 EUR / 12) auf maximal 2.130 EUR brutto im Monat. Eine weitere Relativierung des Verdienstes liegt in der tatsächlich zu leistenden Arbeitszeit. Der Begriff "Vollzeit" ist heutzutage nicht mehr gleichzusetzen mit "35-Stunden-Woche". Sehr viele Unternehmen sind dazu übergegangen, die Arbeitszeit ergebnisorientiert zu organisieren. Das bedeutet, das jedem Arbeitnehmer die scheinbare Freiheit gegeben wird, seine Zeit selbst einzuteilen, wobei es "nur" darauf ankommt, dass die zu erbringende Leistung zu einem bestimmten Termin fertig sein muß. Da aber in der Regel das Auftragsvolumen sehr groß, der Termindruck oft unerträglich hoch ist und der Webdesigner zudem viele Funktionen übernehmen muß, die früher andere Kollegen parallel ausübten, sind Überstunden bis spät in die Nacht und oft auch übers Wochenende leider keine Seltenheit mehr. So können bis zu 70 Wochenarbeitsstunden anfallen. Aufgrund der Ergebnisorientiertheit werden Überstunden nicht mehr als solche vergütet. Wenn wir nun eine durchschnittliche Tagesarbeitszeit von 10 Stunden annehmen, auch Wochenendtage in die Berechnung einbeziehen und 28 Tage pro Monat ansetzen, so arbeitet der Webdesigner monatlich 280 Stunden. Teilen wir den Brutto-Verdienst durch die Anzahl dieser Monatsstunden, ergibt sich ein Stundenlohn zwischen 6,39 EUR und 7,60 EUR brutto. Im Vergleich dazu würde der theoretische Anspruch eines erfahrenen Webdesigners bei einem Brutto-Monats- gehalt von 3.493,75 EUR und einer tariflich "normalen" Arbeitszeit von 140 Stunden pro Monat (35 Stunden mal 4 Wochen) genau 24,95 EUR brutto betragen. Dieses Beispiel hat Ihnen gezeigt, wie die großen Differenzen der Stundenlöhne zustande kommen können, die Ihnen von unterschiedlichsten Quellen genannt werden und was bei der realistischen Einschätzung von Verdiensten berücksichtigt werden muß. Zur besseren Anschaulichkeit habe ich daher die oben genannten Werte und Bedingungen bewußt extrem gewählt, um auf die Folgen eines Mißbrauchs der angespannten Beschäftigungslage aufmerksam zu machen, der sich bei unkontrollierter Arbeitsmarkt- und Lohnpolitik ausweitet. Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass obiges Beispiel daher noch nicht die Standardsituation auf dem Webdesigner-Markt widerspiegelt und es Unternehmen gibt, die auch faire Konditionen bieten können, bei denen das Verhältnis zwischen Arbeit und Lohn weitaus günstiger sein kann. So können Unternehmen z.B. auch Webneulinge aufnehmen, deren Wissen für die Unterstützung der firmeneigenen Werbeabteilung ausreichend ist. Selbst in Firmen, in denen das Erstellen von Internet-Präsenzen zum Hauptgeschäft gehört, können frisch ausgebildete und noch wenig er- fahrene Webdesigner in Teams mit großer Arbeits- teilung integriert werden. Je nach Größe und Organsisation des Unternehmens können sogar geregelte Arbeitszeiten und faire Vergütungen auch für Webneulinge vorkommen. Wie Sie sich aber noch erinnern, haben nur die Bewerber eine Chance auf Einstellung, die gegen- über ihren Mitbewerbern überdurchschnittlich mehr Wissen und Erfahrung bzw. Referenzen nachweisen können. Nach einer Schmalspur-Ausbildung (be- zogen auf Zeitraum und Lehrinhalte) werden Sie also nur sehr geringe Chancen haben und besten- falls als Praktikant arbeiten dürfen. Ebenso kritisch kann es bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz sein, wenn Sie neben einer guten Grundausbildung in Sachen Webdesign auch Praxiserfahrung aus ganz anderen Berufsfeldern mitbringen und diese Qualifikationen bei der Frage nach Ihrem Gehaltswunsch in die Ver- gütungsberechnung miteinbeziehen. Dann nämlich wird der Personalentscheider nur das von Ihnen erwartete Leistungsspektrum ins Verhältnis zu Ihren Gehaltswünschen setzen und diese als überzogene Forderungen werten und Ihnen eine Absage erteilen. Sie erkennen daran, dass Berufserfahrungen ent- gegen landläufiger Meinungen und Forderungen also nicht automatisch die Einstellungschancen erhöhen, sondern sogar stark reduzieren, wenn die zuvor ausgeübten Tätigkeiten nur wenig Bezug zum ange- strebten Arbeitsumfeld haben. Hier sollten Sie daher strategisch denken und umgekehrt verfahren: Wenn Sie als Webneuling branchenfremde Berufs- erfahrungen haben, sollten Sie sich daher in Ihrer alten Berufsbranche erneut bewerben und das Qualifizierungszeugnis zum Webdesigner als Bewerbungsvorsprung gegenüber Mitbewerber nutzen, denn elektronische Medienkompetenz wird heutzutage fast überall benötigt. Ihr frisch erworbenes Wissen wäre für die Web- branche in den meisten Fällen nicht ausreichend, aber für Ihren vorigen Beruf als Ergänzung ideal.
Brutto-Gehälter für Angestellte
pro Monat bei einer 35 Stunden-Woche
Bei ungeregelter Arbeitszeit (bis zu 80 Wochen- stunden): Gehaltserhöhung um jeweils 307 EUR.
Obige Daten sind Durchschnitts-Gehälter, die den
realistischen Webdesigner-"Marktwert" markieren und nur als grobe Orientierungshilfe dienen sollen. Die Angaben sind ohne Gewähr und unverbindlich.
Mithilfe der Legende können Sie sich und den möglichen Arbeitgeber besser einordnen, wobei zwischenwertige Zuordnungen zulässig sind und sich das entsprechende Gehalt durch Mittelwertbildung errechnen läßt. Es versteht sich, dass Sie als Webdesigner nur dort eine reele Chance auf Einstellung haben, wo sich Ihr Qualifi- kations-Profil mit dem Anforderungs-Profil der Firmen weitestgehend deckt. Daher sind die Gehaltswerte in der Tabelle überall dort farbig unterlegt, wo beide Profile zusammenpassen. Andere Kombinationen sind zwar theoretisch auch denk- bar, aber praktisch eher unwahrscheinlich. Einkommens-Situation von Selbständigen im Kapitel "Freiberufliche Arbeit" in der Rubrik Denken "Arbeit und Leben". "Erwerbsstatus: Rechtslage" im Karriere-Ratgeber "Im Besonderen". Hier klicken. "Kritisch nachgefragt: Aktuelle Berufsbilder & Arbeitsbedingungen" im neuen MLG-Forum. Hier klicken. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
![]() |
|