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Multimedia-Ratgeber: Webdesign | |||
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Spezial: Webdesign, Teil 2 g
Um den Beruf des Webdesigners bewerten und Trends erkennen zu können, müssen wir auch die Vorgeschichte miteinbeziehen: Der Beruf des Webdesigners ist noch sehr neu und entstand aus den Berufen des digitalen Gestaltens und Publizierens mithilfe von rechnergestützten DTP(Desk Top-Publishing)-Anwendungsprogrammen mit grafischer Benutzeroberfläche. Das elektronische Publizieren löste Mitte der 80er Jahre die bis dahin konventionellen Pro- duktionstechniken der damals noch sogenannten Gebrauchsgrafiker und Maler angewandter Kunst, sowie der Retuscheure, Reprografen und Druck- vorlagenhersteller ab. All diese kreativen Handwerker der werblich- gestaltenden Medienbranche wurden auf einem Schlag arbeitslos und mußten sich weiterbilden bzw. umschulen, um den Anschluß an das DTP- Zeitalter nicht zu verlieren. Diese produktionstechnische Revolution ermöglichte die Zusammenfassung mehrerer Arbeitsabläufe unter- schiedlicher Fachbereiche und kam damit dem Druck der Wirtschaft nach, immer mehr Werbung a) in besserer Qualität, b) in schnellerer Korrigier- und Änderbarkeit, c) in massenhaft reproduzierbarer Auflage, d) in kürzester Zeit und e) von sehr wenigen Fachkräften zu generieren. Lehrinstitute und private Ausbilder haben sich darauf eingestellt und bieten seitdem Lehrgänge und Kurse in vektor- und pixelorientierter Grafikerstellung, sowie in elektronischer Bildverarbeitung (EBV) und in Anwendung von Seiten-Layout-Programmen an. Anfang der 90er Jahre machte die medientechnolo- gische Entwicklung so große Fortschritte, dass der Begriff "Multimedia" schnell zum Schlagwort in jeder- manns Munde wurde. Mit der Vermarktung der CD-ROM wurde ein Datenträger verfügbar, der selbst größte Datenmengen auf kleinstem Raum speichern kann. Damit wurde auch der Weg frei für alle speicherplatzintensiven Anwendungen, mit denen a) Audio-Dateien b) Videos c) Animationen (Zeichen- und Videotrickfilme) d) Drei-dimensionale Grafikdarstellungen erstellt werden können. Auch hierauf hat der Aus- und Weiterbildungsmarkt reagiert und sein Angebot entsprechend erweitert. Multimedia wird immer beliebter und besonders bei Jugendlichen und Heranwachsenden zum um- schwärmten Instrument der Freizeitgestaltung und immer öfter zum beruflichen Ausbildungsgegenstand. Mitte der 90er Jahre erfaßt die Begeisterungswelle auch kleine und mittelständische Unternehmen, die Multimedia als verkaufsförderndes Hilfsmittel er- kennen und sich darüber einen jungen und unter- haltungsfreudigen Konsumentenkreis erschliessen. In dieser Zeit kommen auch die ersten Webeditoren auf den Markt und regen junge Grafik-Designer und werblich Kreative zum Gestalten von Web-Sites an. Vorbild sind die Internet-Auftritte der großen Unter- nehmen und Konzerne, die schon allein aus Image- und Prestigegründen die Vielfalt ihrer Produkte präsentieren, aber auch das Internet als erweiterte Plattform Ihrer Marketingstrategien nutzen. Die kleinen und mittelständischen Unternehmen dagegen sind zwar dazu übergegangen, auch Multi- media-Elemente zu akzeptieren und in Ihre Werbung einzubinden, stehen aber Online-Präsentationen noch sehr skeptisch und abwartend gegenüber. Noch hatten nicht alle Firmen Internetzugang und die hohen Kosten der infrastrukturellen Umstellungen im Betrieb bei Einbindung eines virtuellen Markt- platzes wie bei den Vorbildern, sowie die Ungewißheit über die Akzeptanz der Online-Angebote stellten die Rentabilität in Frage und bewirkten nur eine ver- haltene Aufgeschlossenheit für das neue Medium. So waren es dann besonders die Grafik-Designer, die multimedial Publizierenden und Studenten der Informatik und der Telekommunikationstechnik, die sich des Website-Erstellens annahmen und sich das nötige Wissen dazu selbst aneigneten, um sich neue berufliche Einsatzfelder zu erschliessen. Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft folgend, erkannten sie in der noch sehr seltenen Präsenz der Unternehmen im Internet eine Marktlücke, die es zu erobern galt. Da das Erstellen von Websites noch nicht offiziell als Ausbildungsberuf ange- sehen wurde und daher auf Eigeninitiative beruhte, konnten die kreativen HTML-Programmierer ihre Dienste ohne Furcht vor großer Konkurrenz jedem Unternehmen anbieten. Die akquirierten Kunden wurden sodann teils über- redet und teils überzeugt, dass sie es doch erst- mal mit einer kleinen Selbstdarstellungs-Homepage versuchen sollten. Um die Entscheidung darüber zu beschleunigen, lockten die Webgestalter mit kleinen Pauschal-Preisen. Das Schnupperangebot verfehlte die Wirkung nicht, und so begann die Produktion von Websites, die zu- gleich die Möglichkeit bot, das selbst Erlernte in die Praxis umzusetzen und seine Kenntnisse langsam und schrittweise zu professionalisieren. Als dann die ersten Präsentationen der umworbenen Firmen und Gewerbetreibenden ins Internet kamen, waren die Entscheidungsträger überwiegend beein- druckt und fühlten sich in der Bedeutung ihres Unternehmens bestätigt. Nun waren sie -und sind es teilweise noch heute- auch im Internet weltweit vertreten wie die großen Vorbilder. Die Internet-Adresse wertete die Visitenkarte und andere Geschäfts- und Werbedrucksachen als neues Statussymbol auf, wie seinerzeit die Angabe einer Mobilfunk-Nummer. So entstand aus der anfänglichen "Eine Homepage kann ja nicht schaden"-Haltung die "Was die Konkurrenz kann, können wir auch"-Haltung. Die Internet-Präsenz wurde als Wettbewerbsvorteil und damit als eine Herausforderung angesehen. Waren es zuvor noch die erwerbstätigen Kreativen, die die Website-Nachfrage ankurbelten, so sind es nun die Unternehmen. Deren Nachfrage beginnt zu wachsen, um ihre größere Leistungsfähigkeit und Kundenorientierung den Mitbewerbern zu zeigen. Zur schnellen Bedarfsdeckung waren daher sehr viel mehr Homepage-Ersteller nötig als vorhanden. Das erkannten auch die nicht- bzw. nebenerwerbstätigen Multimedia-Anwender, die sich sehr oft unprofessionell ihre eigene Privat-Homepage "basteln" und ihre Dienste der hilfesuchenden Wirtschaft anbieten. Diese wurden dann auch durch Mund-zu-Mund-Werbung und Private Networking für Internet-Auftritte engagiert, sowie jeder, der etwas davon versteht (oder was davon zu verstehen vorgab) und besonders billig zu haben war. Der professionelle Website-Ersteller mit geeigneter Berufsausbildung in Gestaltung, der die Lawine erst ins Rollen brachte, sah sich auf einmal Mitbewerbern gegenüber, die bereits Homepage-Aufträge erhalten haben, obwohl diese noch zur Schule gingen oder in der Berufsausbildung waren, die mit Webgestaltung fast nichts zu tun hatte. Klassische Akquisemethoden griffen nicht mehr. Wohin der Profi auch kam, wurde sein Angebot ab- gelehnt mit Begründungen wie: "Das macht jetzt mein 15-jähriger Enkel nach seinen Hausaufgaben." oder "In unserer Firma macht das der Sohn des Geschäfts- führers, der studiert Betriebswirtschaft und kennt sich aus." In fast jedem Unternehmen gibt es in der Verwandt- schaft oder Bekanntschaft immer jemanden, der sich befähigt fühlt und Aufträge schwarz und/oder für ein besseres Taschengeld entgegennimmt, noch bevor der Bedarf offiziell bekannt wird. Zwischen ca. 1994 und 1998 entstanden auf diese Weise zahlreiche Homepages, die größtenteils mehr an Jahrmärkte erinnerten und sich einer Spielhallen- Ästhetik aŽla Las Vegas bedienten. Die Online-Auftritte ließen aussagefähige Inhalte, strukturierte und benutzerführende Informations- architekturen, einheitliches Aussehen in allen Browsern und Auflösungen, sowie das Funktionieren von Verlinkungen und einfachster Skripte vermissen. Je mehr Unternehmen sich präsentierten, desto mehr sahen die verantwortlichen Entscheider ein, dass ein bloßes Dabeisein nicht mehr ausreicht und sie sich amateurhafte Präsentationen nicht mehr leisten können: Der Nutzen für den Online-Surfer muß im Vorder- grund stehen und nicht billige Effekthascherei in der Selbstdarstellung. Firmen, die professionelle Unter- stützung bei der Internet-Präsenz bevorzugten und mit geeigneten Marketingmaßnahmen ergänzten, ge- wannen und hielten mehr Kunden als die Konkurrenten, die nur nach dem "Me-too"-Prinzip und der Blendwerk- Methode verfuhren. Deswegen waren jetzt qualifizierte Fachleute gefragt, die mindestens genauso erfolgreiche Websites erstellen konnten wie die der großen und renommierteren Firmen. Da aber das Planen, Entwerfen, Gestalten und Pro- grammieren von Websites bisher nicht als eigen- ständiger Beruf galt, sahen sich die Interessen- vertreter aus Wirtschaft, Werbung und Politik ver- anlaßt, einen Beruf daraus zu machen, für den man sich qualifizieren muß. So enstand der Beruf des Webdesigners. |
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