Multimedia-Ratgeber: Webdesign

 
Spezial: Webdesign, Teil 2 g


Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten





Themen-Übersicht:
Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten


Selbständigkeit oder Festanstellung ?
Wie kommen Sie an Aufträge ?
Schein-Kunden & Leistungspreller
Gehören Sie zum Opfer-Kreis ?
Ihre Kontaktaufnahme-Situationen
Die Maschen dubioser Auftraggeber
Woran erkennen Sie unseriöse Kunden ?
Was gehört zum fairen Auftrag ?
Die Praxis-Hürden zum Auftrag
Auftrag gesichert - was nun ?
Welche speziellen Fachbereiche sind gefragt ?
Verdienst: scheinbar und faktisch
Gehälter für angestellte Webdesigner
Honorare für selbständige Webdesigner
Website-Kostenkalkulation
Bewertung, Trends & Aussichten

Webdesigner: Berufsgeschichtliche Entwicklung
Vom Webdesign zur New Economy
Der Ausbildungsmarkt für Webdesign
Trends der Webdesign-Entwicklung
Investitionen, Aufwendungen & Hürden
Tipps zur beruflichen Zukunftsgestaltung






Bewertung, Trends & Aussichten



Webdesigner: Berufsgeschichtliche Entwicklung

Lesezeit: 00 Minuten


Um den Beruf des Webdesigners bewerten und
Trends erkennen zu können, müssen wir auch die
Vorgeschichte miteinbeziehen:

Der Beruf des Webdesigners ist noch sehr neu und
entstand aus den Berufen des digitalen Gestaltens
und Publizierens mithilfe von rechnergestützten
DTP(Desk Top-Publishing)-Anwendungsprogrammen
mit grafischer Benutzeroberfläche.

Das elektronische Publizieren löste Mitte der
80er Jahre die bis dahin konventionellen Pro-
duktionstechniken der damals noch sogenannten
Gebrauchsgrafiker und Maler angewandter Kunst,
sowie der Retuscheure, Reprografen und Druck-
vorlagenhersteller ab.

All diese kreativen Handwerker der werblich-
gestaltenden Medienbranche wurden auf einem
Schlag arbeitslos und mußten sich weiterbilden
bzw. umschulen, um den Anschluß an das DTP-
Zeitalter nicht zu verlieren.

Diese produktionstechnische Revolution ermöglichte
die Zusammenfassung mehrerer Arbeitsabläufe unter-
schiedlicher Fachbereiche und kam damit dem Druck
der Wirtschaft nach, immer mehr Werbung

a) in besserer Qualität,
b) in schnellerer Korrigier- und Änderbarkeit,
c) in massenhaft reproduzierbarer Auflage,
d) in kürzester Zeit und
e) von sehr wenigen Fachkräften

zu generieren.

Lehrinstitute und private Ausbilder haben sich darauf
eingestellt und bieten seitdem Lehrgänge und Kurse
in vektor- und pixelorientierter Grafikerstellung,
sowie in elektronischer Bildverarbeitung (EBV) und in
Anwendung von Seiten-Layout-Programmen an.

Anfang der 90er Jahre machte die medientechnolo-
gische Entwicklung so große Fortschritte, dass der
Begriff "Multimedia" schnell zum Schlagwort in jeder-
manns Munde wurde.

Mit der Vermarktung der CD-ROM wurde ein Datenträger
verfügbar, der selbst größte Datenmengen auf kleinstem
Raum speichern kann. Damit wurde auch der Weg frei
für alle speicherplatzintensiven Anwendungen, mit denen

a) Audio-Dateien
b) Videos
c) Animationen (Zeichen- und Videotrickfilme)
d) Drei-dimensionale Grafikdarstellungen

erstellt werden können.

Auch hierauf hat der Aus- und Weiterbildungsmarkt
reagiert und sein Angebot entsprechend erweitert.

Multimedia wird immer beliebter und besonders bei
Jugendlichen und Heranwachsenden zum um-
schwärmten Instrument der Freizeitgestaltung und
immer öfter zum beruflichen Ausbildungsgegenstand.

Mitte der 90er Jahre erfaßt die Begeisterungswelle
auch kleine und mittelständische Unternehmen, die
Multimedia als verkaufsförderndes Hilfsmittel er-
kennen und sich darüber einen jungen und unter-
haltungsfreudigen Konsumentenkreis erschliessen.

In dieser Zeit kommen auch die ersten Webeditoren
auf den Markt und regen junge Grafik-Designer und
werblich Kreative zum Gestalten von Web-Sites an.
Vorbild sind die Internet-Auftritte der großen Unter-
nehmen und Konzerne, die schon allein aus Image-
und Prestigegründen die Vielfalt ihrer Produkte
präsentieren, aber auch das Internet als erweiterte
Plattform Ihrer Marketingstrategien nutzen.

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen
dagegen sind zwar dazu übergegangen, auch Multi-
media-Elemente zu akzeptieren und in Ihre Werbung
einzubinden, stehen aber Online-Präsentationen noch
sehr skeptisch und abwartend gegenüber.

Noch hatten nicht alle Firmen Internetzugang und
die hohen Kosten der infrastrukturellen Umstellungen
im Betrieb bei Einbindung eines virtuellen Markt-
platzes wie bei den Vorbildern, sowie die Ungewißheit
über die Akzeptanz der Online-Angebote stellten die
Rentabilität in Frage und bewirkten nur eine ver-
haltene Aufgeschlossenheit für das neue Medium.

So waren es dann besonders die Grafik-Designer,
die multimedial Publizierenden und Studenten der
Informatik und der Telekommunikationstechnik, die
sich des Website-Erstellens annahmen und sich das
nötige Wissen dazu selbst aneigneten, um sich neue
berufliche Einsatzfelder zu erschliessen.

Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft folgend,
erkannten sie in der noch sehr seltenen Präsenz
der Unternehmen im Internet eine Marktlücke, die
es zu erobern galt. Da das Erstellen von Websites
noch nicht offiziell als Ausbildungsberuf ange-
sehen wurde und daher auf Eigeninitiative beruhte,
konnten die kreativen HTML-Programmierer ihre
Dienste ohne Furcht vor großer Konkurrenz jedem
Unternehmen anbieten.

Die akquirierten Kunden wurden sodann teils über-
redet und teils überzeugt, dass sie es doch erst-
mal mit einer kleinen Selbstdarstellungs-Homepage
versuchen sollten. Um die Entscheidung darüber zu
beschleunigen, lockten die Webgestalter mit kleinen
Pauschal-Preisen.

Das Schnupperangebot verfehlte die Wirkung nicht,
und so begann die Produktion von Websites, die zu-
gleich die Möglichkeit bot, das selbst Erlernte in die
Praxis umzusetzen und seine Kenntnisse langsam
und schrittweise zu professionalisieren.

Als dann die ersten Präsentationen der umworbenen
Firmen und Gewerbetreibenden ins Internet kamen,
waren die Entscheidungsträger überwiegend beein-
druckt und fühlten sich in der Bedeutung ihres
Unternehmens bestätigt. Nun waren sie -und sind
es teilweise noch heute- auch im Internet weltweit
vertreten wie die großen Vorbilder.

Die Internet-Adresse wertete die Visitenkarte und
andere Geschäfts- und Werbedrucksachen als neues
Statussymbol auf, wie seinerzeit die Angabe einer
Mobilfunk-Nummer.

So entstand aus der anfänglichen
"Eine Homepage kann ja nicht schaden"-Haltung die
"Was die Konkurrenz kann, können wir auch"-Haltung.
Die Internet-Präsenz wurde als Wettbewerbsvorteil
und damit als eine Herausforderung angesehen.

Waren es zuvor noch die erwerbstätigen Kreativen,
die die Website-Nachfrage ankurbelten, so sind es
nun die Unternehmen. Deren Nachfrage beginnt zu
wachsen, um ihre größere Leistungsfähigkeit und
Kundenorientierung den Mitbewerbern zu zeigen.

Zur schnellen Bedarfsdeckung waren daher sehr
viel mehr Homepage-Ersteller nötig als vorhanden.
Das erkannten auch die nicht- bzw. nebenerwerbstätigen
Multimedia-Anwender, die sich sehr oft unprofessionell
ihre eigene Privat-Homepage "basteln" und ihre Dienste
der hilfesuchenden Wirtschaft anbieten.

Diese wurden dann auch durch Mund-zu-Mund-Werbung
und Private Networking für Internet-Auftritte engagiert,
sowie jeder, der etwas davon versteht (oder was davon
zu verstehen vorgab) und besonders billig zu haben war.

Der professionelle Website-Ersteller mit geeigneter
Berufsausbildung in Gestaltung, der die Lawine erst
ins Rollen brachte, sah sich auf einmal Mitbewerbern
gegenüber, die bereits Homepage-Aufträge erhalten
haben, obwohl diese noch zur Schule gingen oder in
der Berufsausbildung waren, die mit Webgestaltung
fast nichts zu tun hatte.

Klassische Akquisemethoden griffen nicht mehr.
Wohin der Profi auch kam, wurde sein Angebot ab-
gelehnt mit Begründungen wie:

"Das macht jetzt mein 15-jähriger Enkel nach
seinen Hausaufgaben."

oder

"In unserer Firma macht das der Sohn des Geschäfts-
führers, der studiert Betriebswirtschaft und kennt
sich aus."

In fast jedem Unternehmen gibt es in der Verwandt-
schaft oder Bekanntschaft immer jemanden, der sich
befähigt fühlt und Aufträge schwarz und/oder für ein
besseres Taschengeld entgegennimmt, noch bevor der
Bedarf offiziell bekannt wird.

Zwischen ca. 1994 und 1998 entstanden auf diese
Weise zahlreiche Homepages, die größtenteils mehr
an Jahrmärkte erinnerten und sich einer Spielhallen-
Ästhetik aŽla Las Vegas bedienten.

Die Online-Auftritte ließen aussagefähige Inhalte,
strukturierte und benutzerführende Informations-
architekturen, einheitliches Aussehen in allen
Browsern und Auflösungen, sowie das Funktionieren
von Verlinkungen und einfachster Skripte vermissen.

Je mehr Unternehmen sich präsentierten, desto mehr
sahen die verantwortlichen Entscheider ein, dass ein
bloßes Dabeisein nicht mehr ausreicht und sie sich
amateurhafte Präsentationen nicht mehr leisten können:

Der Nutzen für den Online-Surfer muß im Vorder-
grund stehen und nicht billige Effekthascherei in der
Selbstdarstellung. Firmen, die professionelle Unter-
stützung bei der Internet-Präsenz bevorzugten und
mit geeigneten Marketingmaßnahmen ergänzten, ge-
wannen und hielten mehr Kunden als die Konkurrenten,
die nur nach dem "Me-too"-Prinzip und der Blendwerk-
Methode verfuhren.

Deswegen waren jetzt qualifizierte Fachleute gefragt,
die mindestens genauso erfolgreiche Websites erstellen
konnten wie die der großen und renommierteren Firmen.

Da aber das Planen, Entwerfen, Gestalten und Pro-
grammieren von Websites bisher nicht als eigen-
ständiger Beruf galt, sahen sich die Interessen-
vertreter aus Wirtschaft, Werbung und Politik ver-
anlaßt, einen Beruf daraus zu machen, für den man
sich qualifizieren muß.

So enstand der Beruf des Webdesigners.

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