Multimedia-Ratgeber: Webdesign

 
Spezial: Webdesign, Teil 2 i


Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten





Themen-Übersicht:
Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten


Selbständigkeit oder Festanstellung ?
Wie kommen Sie an Aufträge ?
Schein-Kunden & Leistungspreller
Gehören Sie zum Opfer-Kreis ?
Ihre Kontaktaufnahme-Situationen
Die Maschen dubioser Auftraggeber
Woran erkennen Sie unseriöse Kunden ?
Was gehört zum fairen Auftrag ?
Die Praxis-Hürden zum Auftrag
Auftrag gesichert - was nun ?
Welche speziellen Fachbereiche sind gefragt ?
Verdienst: scheinbar und faktisch
Gehälter für angestellte Webdesigner
Honorare für selbständige Webdesigner
Website-Kostenkalkulation
Bewertung, Trends & Aussichten

Webdesigner: Berufsgeschichtliche Entwicklung
Vom Webdesign zur New Economy
Der Ausbildungsmarkt für Webdesign
Trends der Webdesign-Entwicklung
Investitionen, Aufwendungen & Hürden
Tipps zur beruflichen Zukunftsgestaltung






Bewertung, Trends & Aussichten



Der Ausbildungsmarkt für Webdesign

Lesezeit: 00 Minuten


Am beschriebenen Berufsbild erkennen Sie auch,
wie vielschichtig Webdesign ist. Wollen wir es
grob gliedern, so läßt sich dieser Beruf in
zwei Tätigkeitsbereiche unterteilen, die in ihrer
Art gegensätzlich angelegt sind:

    a) in den kreativ-gestaltenden Bereich
    b) in den analytisch-logischen Bereich

Zum ersten gehört eine solide Ausbildung in
DTP (elektronisches Publizieren), Multimedia-
Anwendungen und natürlich in Gestaltung.

Zum zweiten gehört eine betriebswirtschaftlich
orientierte Ausbildung zum Fachinformatiker, der
umfassende Programmierkenntnisse hat und vernetzte
EDV-Systeme einrichten und betreuen kann.

Hieran wird deutlich, dass der Beruf des Webdesigners
zwei so unterschiedliche Veranlagungen und Fähigkeiten
abverlangt, wie sie selten in gleichem Maß in ein und
derselben Person zu finden sind.

Die Gehirnforschung kann belegen, dass die zwei
Hälften des menschlichen Gehirns auch die zwei
Hemisphären repräsentieren, die den oben genannten
Bereichen entsprechen. Dabei bildet sich im Laufe
der Entwicklung durch die genetische Disposition und
durch Umwelteinflüsse ein Veranlagungsschwerpunkt
heraus, der darüber entscheiden sollte, welche beruf-
liche Tätigkeit am geeignetsten ist.

Durch die Zusammenfassung zweier gegensätzlicher
Berufsfelder -Design und Programmierung- in einen
Beruf (Webdesign) können Spannungen auftreten, die
schwer abbaubar sind.

So wird jemand, der sich ausschließlich zum Web-
designer qualifizieren läßt, sich nur schwer in
spezialisierte Arbeitsprozesse im Berufsleben
integrieren, da er weder ausreichende Kenntnisse
im ersten, noch im zweiten Berufsfeld haben kann.

Das läßt sich schon rein rechnerisch belegen:
Eine solide Ausbildung zum Designer einer Fachrichtung
(z.B. Grafik-, Kommunikations-, Animationsdesign),
in der multimediales Publizieren heutzutage fester
Bestandteil ist, dauert mindestens 3 Jahre.

Eine betriebswirtschaftlich orientierte Ausbildung
zum Fachinformatiker oder vergleichbarer Fach-
richtungen dauert ebenfalls mindestens 3 Jahre.

Im Hinblick auf den immer bedeutender werdenden
Ausbau des Online-Marketings und e-Commerces sind
auch gut fundierte Kenntnisse in Werbung, Marketing
und Verkauf nötig. Ziehen wir die Dauer des Erwerbs
von Wissen und Erfahrung zusammen, kommen wir
ebenfalls auf mindestens 3 Jahre.

Um also als Webdesigner allen Anforderungen bestens
gewachsen zu sein, müßten demnach 9 Jahre Ausbildung
vorausgesetzt werden.

Selbst wenn nur 1 Jahr pro Berufsfeld tatsächlich
qualifiziert wurde, wären neben dem Erlernen von
Webdesign noch weitere 3 Jahre nötig.

Sehen wir uns die Anforderungsprofile in den
Stellenanzeigen für Webdesigner an, so wird ein
großes Maß an weitergehenden Kompetenzen und
Qualifikationen, wie sie oben beschrieben sind,
erwartet.

Doch wie sieht die Ausbildungspraxis aus?

In vielen Qualifikationslehrgängen zum Webdesigner
werden die Kenntnisse aus dem benachbarten Branchen-
umfeld aufgrund des Zeitdrucks (es sollen ja in
kürzester Zeit zahlreiche Nachwuchskräfte ausge-
bildet werden) nur oberflächlich angerissen.

Die meisten Lehrgänge kommen über das Vermitteln
von Website-Erstellung in HTML und von den ergänzenden
Auszeichnungs- und Skriptsprachen nicht hinaus.

So beträgt die längste Ausbildungsdauer zum Web-
designer höchstens 12 Monate. Je dringender der
Bedarf von der Wirtschaft formuliert wird, desto
mehr verkürzen sich die Lehrgänge auf ca. 4 - 6 Monate.
Hierbei handelt es sich um meist staatlich beauftragte
Maßnahmen, die durch mehr oder minder starke Qualitäts-
kontrollen einen Mindeststandard für den Arbeitsmarkt
sichern sollen.

Es gibt aber auch mittlerweile eine nahezu unüber-
schaubare Menge an privaten Ausbildungsangeboten,
die keiner Kontrolle und Reglementierung unterliegen.
Hier wird versprochen, dass der Teilnehmer eines
Kurses in nur wenigen Wochen oder gar an ein paar
Wochenenden zum Webdesigner gemacht würde und
danach internet-fit sei.

Es gibt sogar Angebote, die noch dreister sind und
die Website-Erstellung in 5 Tagen lehren wollen.
Aber auch das läßt sich noch toppen:

Website-Erstellung in nur einem Tag !

So zu lesen in einer Gemeinschaftswebsite von
Qualifikations-und Weiterbildungsmaßnahmen-Anbietern,
die von Wirtschaftsförderungsverbänden betreut wird.

So unterschiedlich die Ausbildungszeiträume und
die Inhalte des Lehrplanes sind, so sind es auch
die Kosten für eine Qualifizierung.

Wer die nötigen Voraussetzungen zur Förderung
berufsqualifizierender Weiterbildungsmaßnahmen
gemäß dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) erfüllt
und etwas Glück hat, der kann eine solche Maß-
nahme vom Staat finanziert bekommen.

Wer nicht berechtigt ist, aber dennoch die gleichen
Ausbildungschancen nutzen will, kann bei staatlich
beaufsichtigten Lehrinstitutionen bei einer
9-monatigen Ausbildung mit soliden Grundkenntnissen
in allen webrelevanten Bereichen insgesamt ca. bis zu
16.000 DM ausgeben.

Andere Institutionen mit überwiegend freien Angeboten
gliedern nach Bausteinen auf und überlassen es Ihnen,
was Sie lernen wollen, wobei es ja die Erfordernisse
des Arbeitsmarktes sind, die ihre Entscheidung lenken.

Wenn von Website-Erstellung die Rede ist und nur einige
Tage dafür angesetzt werden, müssen Sie davon ausgehen,
dass nur die automatisierte Erstellung einer Homepage
durch einen Wizard (Assistenz-Anwendung, die Ihnen
Schritt für Schritt durch das Programm hilft) eines
WYSIWYG-Autorensystems wie Frontpage 2000 oder
Dreamweaver gelehrt wird. Sie können sich für die
Homepage nur der vorgefertigten Versatzstücke bedienen.

Dadurch sind Sie aber u.a. nicht in der Lage,
individuell und quelltextbezogen Websites zu
gestalten, Zusammenhänge und Fehler zu erkennen
und kundenorientierte Modifikationen durchzuführen.
Mit diesem Wissen für Amateure und private User
haben Sie keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Neben dieser Website-Erstellung, die in ca. einer Woche
unterrichtet wird und um die 600 DM kosten kann, wird
das Angebot um die Bausteine "HTML-Programmierung"
und "JavaScript" und "DTP" ergänzt. Je nach Tiefe
des vermittelten Wissens schwanken die Preise
zwischen 600 und 1.000 DM pro Baustein.

Wie Sie der Übersicht der Webdesigner-Basics
entnommen haben, sind natürlich noch sehr viel
mehr Kenntnisse gefragt. So können bei Auswahl
der wesentlichsten Bausteine bis zu 6.000 DM auf
Sie zukommen, womit Sie aber nur elementare
Kenntnisse erhalten, die für anspruchsvolle
Webagenturen und NewMedia-Unternehmen nicht
ausreichend sind.

Da bisher der Beruf des Webdesigners trotz
Richtlinien nicht bundeseinheitlich fest ge-
regelt ist und er sich gegen andere schlecht
abgrenzen läßt, sind die Differenzen in der
Ausbildungsdauer, den Lehrinhalten und Kosten
so irrsinnig und wahnwitzig groß, wie der
NewMedia-Arbeitsmarkt selbst.

Wer Webdesigner werden will und sich die
Kursbausteine selbst zusammenstellen möchte,
wird schnell auf sehr viele Lehrinhalte stoßen,
die sich überschneiden. So besteht die Gefahr,
dass Sie viel Zeit und Geld für Kenntnisse
investieren, die Ihnen bereits aus anderen
Zusammenhängen bekannt sind.

Fast alle angeboteten Kurse scheinen sich
zudem in irgendeiner Weise in das Gesamt-
lehrkonzept integrieren zu lassen.
Schließlich, so kann man meinen, habe jeder
Kurs seine Berechtigung und wird das eigene
Kompetenzprofil abrunden und die Chancen
auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Doch das ist nur bedingt richtig.
Wenn Sie sich keine Ausbildungsschwer-
punkte setzen, werden Sie sich hoffnungslos
verzetteln und sich in den finanziellen Ruin
qualifizieren, denn staatliche Unterstützung
gilt nur unter besonderen Umständen und ist
nicht beliebig beanspruchbar.

Bedenken Sie auch, dass für alles, was Sie
neu hinzulernen, Folgekosten und neue Zeit-
aufwendungen entstehen. Der schnelllebige
Technologiemarkt läßt Ihr einst erworbenes
Wissen in Hard-und Software-Anwendungen
bereits nach nur einigen Monaten veralten.
Updates und aktualisierte Lehrmittel kosten
viel Geld und verlangen Einarbeitungszeit.

Außerdem werden Sie bei tieferer Auseinander-
setzung mit einem Lehrinhalt feststellen, das
Sie Ihr Wissen noch mehr erweitern müßten, um
das frisch Erlernte effizient anwenden zu können.

Hinzu kommt noch, dass einst Erlerntes immer
wieder aufgefrischt und praktisch umgesetzt
werden muß, damit es nicht in Vergessenheit gerät.

Sie sehen hieran, wie eine Lawine der Wissens-
aneignung, der Lernkosten und der Lernzeitauf-
wendungen entsteht. Da Sie aber auch parallel
dazu Ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen,
sind Sie mehr oder weniger gezwungen, Abstriche
beim Qualifizierungsumfang zu machen.

Stattdessen sollten Sie mit Strategie Ihre
berufliche Laufbahn planen und sich auf Fach-
bereiche konzentrieren und spezialisieren, die
Ihren natürlichen Begabungen und Fähigkeiten
entsprechen.

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