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Multimedia-Ratgeber: Webdesign | |||
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Spezial: Webdesign, Teil 2 i
Am beschriebenen Berufsbild erkennen Sie auch, wie vielschichtig Webdesign ist. Wollen wir es grob gliedern, so läßt sich dieser Beruf in zwei Tätigkeitsbereiche unterteilen, die in ihrer Art gegensätzlich angelegt sind:
b) in den analytisch-logischen Bereich DTP (elektronisches Publizieren), Multimedia- Anwendungen und natürlich in Gestaltung. Zum zweiten gehört eine betriebswirtschaftlich orientierte Ausbildung zum Fachinformatiker, der umfassende Programmierkenntnisse hat und vernetzte EDV-Systeme einrichten und betreuen kann. Hieran wird deutlich, dass der Beruf des Webdesigners zwei so unterschiedliche Veranlagungen und Fähigkeiten abverlangt, wie sie selten in gleichem Maß in ein und derselben Person zu finden sind. Die Gehirnforschung kann belegen, dass die zwei Hälften des menschlichen Gehirns auch die zwei Hemisphären repräsentieren, die den oben genannten Bereichen entsprechen. Dabei bildet sich im Laufe der Entwicklung durch die genetische Disposition und durch Umwelteinflüsse ein Veranlagungsschwerpunkt heraus, der darüber entscheiden sollte, welche beruf- liche Tätigkeit am geeignetsten ist. Durch die Zusammenfassung zweier gegensätzlicher Berufsfelder -Design und Programmierung- in einen Beruf (Webdesign) können Spannungen auftreten, die schwer abbaubar sind. So wird jemand, der sich ausschließlich zum Web- designer qualifizieren läßt, sich nur schwer in spezialisierte Arbeitsprozesse im Berufsleben integrieren, da er weder ausreichende Kenntnisse im ersten, noch im zweiten Berufsfeld haben kann. Das läßt sich schon rein rechnerisch belegen: Eine solide Ausbildung zum Designer einer Fachrichtung (z.B. Grafik-, Kommunikations-, Animationsdesign), in der multimediales Publizieren heutzutage fester Bestandteil ist, dauert mindestens 3 Jahre. Eine betriebswirtschaftlich orientierte Ausbildung zum Fachinformatiker oder vergleichbarer Fach- richtungen dauert ebenfalls mindestens 3 Jahre. Im Hinblick auf den immer bedeutender werdenden Ausbau des Online-Marketings und e-Commerces sind auch gut fundierte Kenntnisse in Werbung, Marketing und Verkauf nötig. Ziehen wir die Dauer des Erwerbs von Wissen und Erfahrung zusammen, kommen wir ebenfalls auf mindestens 3 Jahre. Um also als Webdesigner allen Anforderungen bestens gewachsen zu sein, müßten demnach 9 Jahre Ausbildung vorausgesetzt werden. Selbst wenn nur 1 Jahr pro Berufsfeld tatsächlich qualifiziert wurde, wären neben dem Erlernen von Webdesign noch weitere 3 Jahre nötig. Sehen wir uns die Anforderungsprofile in den Stellenanzeigen für Webdesigner an, so wird ein großes Maß an weitergehenden Kompetenzen und Qualifikationen, wie sie oben beschrieben sind, erwartet. Doch wie sieht die Ausbildungspraxis aus? In vielen Qualifikationslehrgängen zum Webdesigner werden die Kenntnisse aus dem benachbarten Branchen- umfeld aufgrund des Zeitdrucks (es sollen ja in kürzester Zeit zahlreiche Nachwuchskräfte ausge- bildet werden) nur oberflächlich angerissen. Die meisten Lehrgänge kommen über das Vermitteln von Website-Erstellung in HTML und von den ergänzenden Auszeichnungs- und Skriptsprachen nicht hinaus. So beträgt die längste Ausbildungsdauer zum Web- designer höchstens 12 Monate. Je dringender der Bedarf von der Wirtschaft formuliert wird, desto mehr verkürzen sich die Lehrgänge auf ca. 4 - 6 Monate. Hierbei handelt es sich um meist staatlich beauftragte Maßnahmen, die durch mehr oder minder starke Qualitäts- kontrollen einen Mindeststandard für den Arbeitsmarkt sichern sollen. Es gibt aber auch mittlerweile eine nahezu unüber- schaubare Menge an privaten Ausbildungsangeboten, die keiner Kontrolle und Reglementierung unterliegen. Hier wird versprochen, dass der Teilnehmer eines Kurses in nur wenigen Wochen oder gar an ein paar Wochenenden zum Webdesigner gemacht würde und danach internet-fit sei. Es gibt sogar Angebote, die noch dreister sind und die Website-Erstellung in 5 Tagen lehren wollen. Aber auch das läßt sich noch toppen: Website-Erstellung in nur einem Tag ! So zu lesen in einer Gemeinschaftswebsite von Qualifikations-und Weiterbildungsmaßnahmen-Anbietern, die von Wirtschaftsförderungsverbänden betreut wird. So unterschiedlich die Ausbildungszeiträume und die Inhalte des Lehrplanes sind, so sind es auch die Kosten für eine Qualifizierung. Wer die nötigen Voraussetzungen zur Förderung berufsqualifizierender Weiterbildungsmaßnahmen gemäß dem Sozialgesetzbuch III (SGB III) erfüllt und etwas Glück hat, der kann eine solche Maß- nahme vom Staat finanziert bekommen. Wer nicht berechtigt ist, aber dennoch die gleichen Ausbildungschancen nutzen will, kann bei staatlich beaufsichtigten Lehrinstitutionen bei einer 9-monatigen Ausbildung mit soliden Grundkenntnissen in allen webrelevanten Bereichen insgesamt ca. bis zu 16.000 DM ausgeben. Andere Institutionen mit überwiegend freien Angeboten gliedern nach Bausteinen auf und überlassen es Ihnen, was Sie lernen wollen, wobei es ja die Erfordernisse des Arbeitsmarktes sind, die ihre Entscheidung lenken. Wenn von Website-Erstellung die Rede ist und nur einige Tage dafür angesetzt werden, müssen Sie davon ausgehen, dass nur die automatisierte Erstellung einer Homepage durch einen Wizard (Assistenz-Anwendung, die Ihnen Schritt für Schritt durch das Programm hilft) eines WYSIWYG-Autorensystems wie Frontpage 2000 oder Dreamweaver gelehrt wird. Sie können sich für die Homepage nur der vorgefertigten Versatzstücke bedienen. Dadurch sind Sie aber u.a. nicht in der Lage, individuell und quelltextbezogen Websites zu gestalten, Zusammenhänge und Fehler zu erkennen und kundenorientierte Modifikationen durchzuführen. Mit diesem Wissen für Amateure und private User haben Sie keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Neben dieser Website-Erstellung, die in ca. einer Woche unterrichtet wird und um die 600 DM kosten kann, wird das Angebot um die Bausteine "HTML-Programmierung" und "JavaScript" und "DTP" ergänzt. Je nach Tiefe des vermittelten Wissens schwanken die Preise zwischen 600 und 1.000 DM pro Baustein. Wie Sie der Übersicht der Webdesigner-Basics entnommen haben, sind natürlich noch sehr viel mehr Kenntnisse gefragt. So können bei Auswahl der wesentlichsten Bausteine bis zu 6.000 DM auf Sie zukommen, womit Sie aber nur elementare Kenntnisse erhalten, die für anspruchsvolle Webagenturen und NewMedia-Unternehmen nicht ausreichend sind. Da bisher der Beruf des Webdesigners trotz Richtlinien nicht bundeseinheitlich fest ge- regelt ist und er sich gegen andere schlecht abgrenzen läßt, sind die Differenzen in der Ausbildungsdauer, den Lehrinhalten und Kosten so irrsinnig und wahnwitzig groß, wie der NewMedia-Arbeitsmarkt selbst. Wer Webdesigner werden will und sich die Kursbausteine selbst zusammenstellen möchte, wird schnell auf sehr viele Lehrinhalte stoßen, die sich überschneiden. So besteht die Gefahr, dass Sie viel Zeit und Geld für Kenntnisse investieren, die Ihnen bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt sind. Fast alle angeboteten Kurse scheinen sich zudem in irgendeiner Weise in das Gesamt- lehrkonzept integrieren zu lassen. Schließlich, so kann man meinen, habe jeder Kurs seine Berechtigung und wird das eigene Kompetenzprofil abrunden und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Doch das ist nur bedingt richtig. Wenn Sie sich keine Ausbildungsschwer- punkte setzen, werden Sie sich hoffnungslos verzetteln und sich in den finanziellen Ruin qualifizieren, denn staatliche Unterstützung gilt nur unter besonderen Umständen und ist nicht beliebig beanspruchbar. Bedenken Sie auch, dass für alles, was Sie neu hinzulernen, Folgekosten und neue Zeit- aufwendungen entstehen. Der schnelllebige Technologiemarkt läßt Ihr einst erworbenes Wissen in Hard-und Software-Anwendungen bereits nach nur einigen Monaten veralten. Updates und aktualisierte Lehrmittel kosten viel Geld und verlangen Einarbeitungszeit. Außerdem werden Sie bei tieferer Auseinander- setzung mit einem Lehrinhalt feststellen, das Sie Ihr Wissen noch mehr erweitern müßten, um das frisch Erlernte effizient anwenden zu können. Hinzu kommt noch, dass einst Erlerntes immer wieder aufgefrischt und praktisch umgesetzt werden muß, damit es nicht in Vergessenheit gerät. Sie sehen hieran, wie eine Lawine der Wissens- aneignung, der Lernkosten und der Lernzeitauf- wendungen entsteht. Da Sie aber auch parallel dazu Ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, sind Sie mehr oder weniger gezwungen, Abstriche beim Qualifizierungsumfang zu machen. Stattdessen sollten Sie mit Strategie Ihre berufliche Laufbahn planen und sich auf Fach- bereiche konzentrieren und spezialisieren, die Ihren natürlichen Begabungen und Fähigkeiten entsprechen. |
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