Multimedia-Ratgeber: Webdesign

 
Spezial: Webdesign, Teil 2 j


Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten





Themen-Übersicht:
Aufträge, Projekte, Honorierung,
Berufsbewertung und Aussichten


Selbständigkeit oder Festanstellung ?
Wie kommen Sie an Aufträge ?
Schein-Kunden & Leistungspreller
Gehören Sie zum Opfer-Kreis ?
Ihre Kontaktaufnahme-Situationen
Die Maschen dubioser Auftraggeber
Woran erkennen Sie unseriöse Kunden ?
Was gehört zum fairen Auftrag ?
Die Praxis-Hürden zum Auftrag
Auftrag gesichert - was nun ?
Welche speziellen Fachbereiche sind gefragt ?
Verdienst: scheinbar und faktisch
Gehälter für angestellte Webdesigner
Honorare für selbständige Webdesigner
Website-Kostenkalkulation
Bewertung, Trends & Aussichten

Webdesigner: Berufsgeschichtliche Entwicklung
Vom Webdesign zur New Economy
Der Ausbildungsmarkt für Webdesign
Trends der Webdesign-Entwicklung
Investitionen, Aufwendungen & Hürden
Tipps zur beruflichen Zukunftsgestaltung






Bewertung, Trends & Aussichten



Trends der Webdesign-Entwicklung

Lesezeit: 00 Minuten


Nach der Qualifizierung zum Webdesigner fragen
Sie nach den Chancen und Aussichten
auf dem NewMedia-Markt. Diese sehen wie folgt aus:

Wenn Sie eine feste Anstellung suchen:

Sollten Sie ausschließlich von Webdesign leben
wollen, dann ist dies nur in einer Festanstellung
möglich. Dazu müßten Sie aber sehr profunde
Kenntnisse in allen webrelevanten Bereichen mit-
bringen und bereit sein, komplexe und neueste
Programmiersprachen zu erlernen.

Um das aktuelle Anforderungsprofil darzustellen,
zitiere ich ein Stellenangebot eines Arbeitgebers,
das in der Zeitung "Markt+Chance" des Arbeitsamtes
veröffentlicht wurde:

Webdesigner/in

mit Studium der Informatik, bevorzugt Medieninformatik
und einschlägiger Praxiserfahrung. Kenntnisse in HTML,
DHTML, XML, ASP, Perl, PHP 4 sowie webbasierten
Datenbanksystemen (mySQL, Oracle etc.),
gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift,
Einsatzbereitschaft, Team- und Kundenorientierung
werden erwartet.

Arbeitgeber: XXX

Tätigkeit: Consultant/in für E-Design und E-Business;
Durchführung von Analyse und Konzeption sowie
Präsentation und Umsetzung. Web-/Screendesign,
Entwicklung und Relaunch kundenspezifischer Projekte.
Umsetzung von E-Business-Lösungen: B2C, B2B, B2G,
Shopping-Systeme, Content-Management.
Technische Internet-Anbindung für den Business-Bereich,
Durchführung von Schulungen.

00000 Ort
Tel.: 0000/ 00 - 000 (Fax: -00)
arbeitgeber@arbeitsamt.de
XXX 00000-000000-00000



Sie werden sich nun fragen, was das mit Webdesign
zu tun habe. Ihre Frage ist berechtigt !

Denn das, was hier und an vielen anderen NewMedia-
Arbeitsplätzen an gleichem oder ähnlichem Profil ver-
langt wird, entspricht leider nicht den allgemeinen
Ausbildungsinhalten der Webdesign-Lehrpläne.

An diesem Beispiel erkennen Sie, dass meine oben
genannten Ausführungen über die Voraussetzungen
für diesen Beruf zutreffen. Mit Webdesign allein
können Sie nicht bestehen. Vorausgegangene Studien
(z.B. Fach- bzw. Medieninformatik oder Design-Studium)
werden einfach als Selbstverständlichkeit erwartet.

Idealerweise sollten, wie bereits erwähnt, mehrere
Berufe erlernt und mit diversen anderen Qualifikationen
ergänzt werden, so dass die ca. 9 - 10 Jahre Ausbildungs-
zeit tatsächlich Voraussetzung sein müßten für diese
ausgeschriebene Stelle.

Für den Arbeitgeber im Anzeigenbeispiel müßten
Sie folgende Grundausbildungen absolviert haben:

    Informatik-Studium
    Webmaster/Webadministrator
    Serverseitige Web-Programmierung
    Webdesign (Basics + Multimedia-Kenntnisse)
    Projekt- und Contentmanagement
    IHK-zertifizierte Trainerausbildung

Das bedeutet:

mindestens 8 Jahre Ausbildung und
mindestens 4 Jahre praktische Erfahrung.
mindestens ca. 30.000 DM Kosten.

Vorausgesetzt, Sie haben das Abitur mit 18 Jahren
erfolgreich absolviert und beginnen gleich darauf
die Berufsausbildung (die Wehr- bzw. Zivildienstzeit
bei Männern mal nicht berücksichtigt), dann wären
Sie nach den 12 Jahren Ausbildung und Praxis mit
frühestens 30 Jahren berufsfähig als Webdesigner
im Sinne des obigen Beispiels.

Wer sich also im Jahre 2001 für diese Stelle bewerben
würde, hätte 1989 seine Ausbildung zu einer Zeit be-
ginnen müssen, in der das Thema Internet noch nicht
aktuell war.

In dieser Zeit haben Sie, wenn Sie nicht gerade von
Haus aus vermögend sind oder Kind reicher Eltern,
fast nichts verdient und neben 30.000 DM Schulden
noch viele weitere, da die Lebenshaltungskosten
und private Berufsausstattung (PC, Software, Tele-
kommunikationsgeräte etc.) noch hinzukommen.

Sollte das Zielgruppenpublikum des Arbeitgebers
auch noch sehr jung sein (14 - 25 Jahre), wie es
häufig vorkommt, da das Internet größtenteils
von dieser Altersgruppe lebt, dann werden Sie unter
Umständen bereits als zu alt eingestuft, weil Sie
mit dieser Zielgruppe nicht mehr lifestyle-kompatibel
sind und das grenzenlose "Jugend-Fun-Feeling" nicht
vermitteln können.
(Am besten, Sie absolvieren Ihr Abitur mit 8 Jahren,
lassen sich dann 12 Jahre lang für diese Webdesigner-
stelle qualifizieren, um mit 20 Jahren beste Chancen
für die Einstellung zu haben und um nach 5 Jahren die
Rente einzureichen und dem Computerclub der Senioren
beizutreten ...)

Der massenhafte Abbau von Arbeitsplätzen durch
sogenannte Rationalisierungsmaßnahmen, die der
"Lean Production", der Verflachung der Hierarchien,
einer größeren Flexibilität und einer scheinbaren
Selbstbestimmungs- und Selbstverantwortungsmentalität
den Weg bahnt, bedingt die Zusammenlegung mehrerer
Berufe in eine Person. Das heißt, dass Sie in Ihrer
ergebnisbezogenen Leistungsvergütung bereit sein müssen,
die Arbeit von ehemals 3-4 Kollegen alleine auszuführen.
Nötigenfalls haben Sie dadurch Wochenarbeitszeiten von
70 - 80 Stunden zum Pauschaltarif abzuleisten.

Als pflichtbewußter " Gewinner-Typ" ("be a user, not
a looser") verzichten Sie auf Regenerationsphasen
und erst recht auf Freizeit. Privatleben findet nicht
mehr statt und soziale Isolation wird zur Regel.
In den kurzen Verschnaufpausen ernähren Sie sich von
online bestelltem Junk-Food und haben jede Menge Spaß
mit PC-Games, Fun-Pages und Chatten im Cyber-Nirwana.

Wenn Sie dann noch den Rat des Arbeitsamtes befolgen,
indem Sie Bereitschaft zum grenzenlosen und selbst-
finanzierten Nomadenleben (auch Mobilität genannt)
zeigen, kann Ihrem Erfolg fast nichts mehr im Wege stehen.

Stellenangebote mit unrealistischen Extremforderungen,
wie im Beispiel oben gezeigt, sind zwar nicht die Regel,
dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass der
Trend in genau diese Richtung geht - mal mehr, mal weniger.

Das beweist auch die Tatsache, dass in immer mehr
Stellenangeboten Kenntnisse und Fähigkeiten gefordert
werden, für die es kaum oder gar keine offiziellen
Qualifikationslehrgänge gibt und die mit den ursprüng-
lichen Inhalten des Webdesigns fast nichts mehr zu tun
haben, aber dennoch unter "Webdesign" geführt werden.

Der Grund hierfür ist offensichtlich:
Es sollen so viel Fachkräfte wie möglich durch eine
einzige Person ersetzt werden, die aber nicht zu
entsprechend hohen Vergütungssätzen bezahlt wird,
sondern nur zum sehr erschwinglichen Tarif eines
Webdesigners
.

Die Folge ist eine große Begriffsverwirrung, die
die berufliche Orientierung der Nachwuchskräfte
ins Schwimmen geraten läßt und zur Überforderung
bei der Auswahl geeigneter Qualifikationen führt.

Ferner entsteht durch die überproportionale Gewichtung
des Online-Handels der Eindruck, als wären entsprechende
Qualifikationen eine Garantie für eine sichere berufliche
Zukunft. Das dies nicht zwangsläufig so sein muß, beweist
die Tatsache, dass in Deutschland der Anteil des Online-
Handels am Gesamthandel gerade mal 1 Prozent beträgt.

Die großen Pleitewellen, Kurs- und Konjunktureinbrüche
und die sich daraus ableitenden Massenentlassungen der
"New Economy" tragen zudem ihren Anteil zur Relativierung
der euphorischen Bewertung der NewMedia-Zukunft bei.

Für die Aussichten in einem Angestellten-Verhältnis
läßt dich also zusammenfassen:


Wenn Sie Qualifikationen aufweisen können, die der
Kommerzialisierung von Websites dienen

(Online-Marketing, e-Commerce, maßgeschneiderte e-Shop-
Lösungen, Server- und Schnittstellen-Programmierung, webbasierte Datenbankanbindung, interaktive Website- Datenpflege)

und aller dazugehörigen Serviceleistungen
(Beratung, Präsentation, Verkauf von Media-Diensten,
Kundenbetreuung, Schulungen etc.),

zur Verkoppelung von Online- und Offline-Warenwirtschafts-
Systemen beitragen und zur Abrundung auch noch Webdesign
anbieten können, dann haben Sie gute Chancen auf einen
Arbeitsplatz, der Sie voll beanspruchen wird.

Sollten Sie sich dagegen ausschließlich als Webdesigner
oder als Multimedia-Kraft bewerben, wird man Sie häufig
nur als Praktikant oder Assistent engagieren, damit Sie
das eigentlich gefragte Kerngeschäft besser kennenlernen
und sich entsprechend weiterentwickeln können.

Das Erstellen und Designen einer Website ist nämlich
in Unternehmen, die fürs Online-Geschäft Fachkräfte
suchen, bereits erledigt und so werden dort Webdesigner
und Multimedia-Kräfte nur noch zum Pflegen, Warten und
Up-Tuning des Web-Styles eingesetzt.


Für die Aussichten eines freiberuflich arbeitenden
Webdesigners läßt sich folgendes sagen:

Im Gegensatz zum festangestellten Webdesigner hat
der freiberufliche noch Chancen, ausschließlich
Webdesign praktizieren zu dürfen, ohne dass weiter-
gehende oder andersartige Studiengänge vorausgesetzt
werden.

Natürlich erhöhen auch hier erweiterte Qualifikations-
profile die Wahrscheinlichkeit, sich gegen Schmalspur-
bewerber (deren Zahl ständig steigt) durchzusetzen.

Doch angesichts einer gewaltigen Anzahl von Existenz-
gründern, Vereinen und Organisationen, Freiberuflern,
Kleingewerbetreibenden sowie mittelständischen Betrieben,
denen eine ausschließlich informative Homepage ausreicht,
dürfte es einem frisch ausgebildeten Webdesigner nicht
schwerfallen, Interessenten zu finden.

Zumindest theoretisch gibt es bei diesen potentiellen
Kunden viele Möglichkeiten, Ihre Kenntnisse und Fähig-
keiten durch das Erstellen von Websites oder durch
Verbesserung bestehender Internet-Auftritte zu beweisen.

Lesen Sie hierzu das Kapitel zum Thema:
"Wie kommen Sie an Aufträge ?"


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